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Die verkaufte Braut
Komische Oper von Bedrich Smetana ML: GMD Michael Helmrath, I: Kay Kuntze, B+K: Irene Suhr Premiere: 11.3.2005, Brandenburger Theater Fotos |
Die Böhmen in Brandenburg
Smetanas "Verkaufte Braut" in einer außergewöhnlichen
Inszenierung von Kay Kuntze (…)
Kuntze dreht den Spieß um. Jenik ist bei ihm ein fieser Macho, weswegen Marenka
tatsächlich den ihr zugedachten Vasek nimmt - allerdings nicht aus Zwang, sondern in der
freien Entscheidung zweier Menschen, die, von aller Bevormundung emanzipiert, zu sich
selbst und zueinander finden. Die traditionellen Publikumserwartungen enttäuschten
Kuntze und seine behutsam abstrahierende Ausstatterin Irene Suhr trotzdem nicht.
Die Theaterepisode des dritten Akts wurde in der (leicht vrschobenen) Pause im Foyer
begonnen und artistisch fortgeführt, derweil im Chor Damen in bunten Röckchen tanzen
und die Herren Pils-Krüge schwenken durften - die "Mann" sich sich sogleich auch um die
Ohren haute: In diesem Böhmen ist die Zivilisationsdecke fadenscheinig. (…) - ein
gelungener Abend.
OPERNWELT, Mai/Juni 2005
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Brandenburger Theater: "Die verkaufte Braut"
Die Verkaufte Braut gilt als kratziges Mädchen,
denn Smetanas komischste Oper versinkt gern zwischen Folklore-Vollbad und Sozialschmonzette.
Für ein beinahe ausgeblutetes Haus wie das Brandenburger Theater (…) ist die Oper eine
wirkliche Herausforderung. Man betritt die Mehrzweckschachtel zweifelnd, und muss schnell
realisieren: Denkste!
KULTURRADIO, 13.3.05
Von der ersten Sekunde an geht man in Brandenburg aufs Ganze, macht Dampf im Opernkessel
und spielt den Auftritt der Komödianten sogar während der Pause im Foyer. Der Chor wirbelt
durchs Publikum, von oben schneit's Konfetti. Nichts da von böhmischem Musikantenstadl.
Kay Kuntze (sonst Chef der Berliner Kammeroper) inszeniert eine schiefe Welt, in der
fragwürdigste Deals mit Handschlag und Bauernschläue besiegelt werden. Kecal kauft Jenik
seine Maschenka im Dampfbad ab, während man vom bedienenden Personal in Lack-Röckchen eine
erotische Sonderbehandlung erhält. Es rüpelt und rülpst, trotzdem kippt der Abend in kein
Happy End zurück. Jenik bleibt allein zurück, hat Maschenka an Wenzel verspielt. In den
verquer-fenstrigen Bühnenbildern von Irene Suhr sieht das Stück beinahe aus wie auf einem
moralischen Suchbild von Pieter Brueghel. Es ist die beste Aufführung seit
langem. Fürs Brandenburger Theater nichts weniger als eine Wiederauferstehung. (…)
Nach der Pause ist das Publikum so bestrickt, dass es selbst ironische Bauchtänzeleien
und harmlose Jonglierkünste der Komödianten-Truppe bejubelt, als hätte es ein
Pfingstwunder geschaut. Man soll nicht vergleichen: Aber diese Verkaufte Braut ist um Längen besser als die Produktion, die vom gleichen Stück an der Komischen Oper Berlin zu sehen ist. Das Brandenburger Musiktheater ist wieder voll da. Endlich. Bewertung: großartig |
Die eingekaufte Braut
(…) In Brandenburg inszeniert Kay Kuntze Smetanas Eheanbahnungsoper als
Piéce à grand spectacle - und die Leute lassen es sich nur zu gerne gefallen (…)
Da steigt die Erwartung an das Highlight der einsamen Smetana-Inszenierung ins
Unermessliche. Regisseur Kuntze weiß das und enttäuscht die lokalen Opernfans nicht.
Überwiegend heiter geht es zu, nicht nur bei der Zirkus-Showeinlage im Foyer:
Heiratsvermittler Kecal verhandelt mit Hans in der Sauna, zum ersten Finale regnet es
Blütenblätter in den Saal. (…) Wenn die männliche Dorfjugend dem fremden Eindringling
Wenzel nach "Ballermann"-Art das Bier literweise eintrichtert, wird die Brutalität einer
Gesellschaft bedrückend deutliche, in der Väter ihre Töchter verhökern.
DER TAGESSPIEGEL, 14.3.05
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Verraten und verkauft
Sie legen dabei unter der komödiantisch-ursprünglichen Oberfläche ein erstaunliches
Geflecht aus verletzten Gefühlen und existenziellen Ängsten, tragischen Einzelschicksalen
und bedrohlichen Beziehungen frei (…)
Eine solche, dicht am Original bleibende Lesart lässt zwar weniger Raum für
unbeschwert-heitere Unterhaltung, bietet jedoch die Zeichnung scharf umrissener
Charaktere und eine spannende, an die Substanz gehende Geschichte (…)
Dem Inszenierungsteam gelingt eine einfühlsame, warmherzige Aufführung, die die
Konflikte der Protagonisten ernst nimmt und immer wieder überraschende szenische
Lösungen bietet.
BRAWO, 13.3.05
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Verraten und Verkauft (2)
Beide machten sich die tief auslotenden Personenregie von Kay Kuntze zu eigen und
entwickelten ein individuell ausgeformtes Rollenprofil, das restlos überzeugte (…)
Ihre Motive und Absichten erschlossen sich über die vom Regisseur vorgegebenen
Arrangements und Haltungen, die sichtlich den Stil der Inszenierung prägten, der
(bildhaft gesprochen) Walter Felsenstein und Ruth Berghaus miteinander zu verbinden suchte.
So war eine alles in allem stimmige, das Werk und die in ihm gestalteten Konflikte
nicht auf die leichte Schulter nehmende Regiearbeit zu sehen, die, unterstützt durch
Irene Suhrs Ausstattung, zu starken Bildern fand. Sie enthielt sich vordergründiger
Modernismen und atmete doch den Geist der Gegenwart.
BRAWO, 17.3.05
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Helmrath weiß und lässt fühlen
Den Wenzel, den sie mittlerweile schätzen lernt und liebt, wird sie zur Überraschung der
Dorfbewohner nun folgen. So erzählt Regisseur Kay Kuntze die Geschichte im Brandenburger
Theater. Diese Interpretation wirkt in der Inszenierung sehr logisch. (…) Bei Kuntze ist
die Komische Oper selten eine heitere, eher eine mit traurigem Anstrich. (…)
Eine sehr gelungene "Verkaufte Braut"
POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN, 30.3.2005
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Brandenburg: Ovationen für Premiere von "Die verkaufte Braut"
Mit starkem Beifall ist am Brandenburger Theater die Premiere von Bedrich Smetanas komischer
Oper "Die verkaufte Braut" gefeiert worden. Der Berliner Kay Kuntze gab mit der Aufführung am
Freitagabend sein erfolgreiches Regiedebüt an diesem Hause (…) Wenzel wird in dieser Inszenierung,
abweichend vom Klischee üblicher Aufführungen hier zu dem letztlich von Marie Erhörten, als er
sich traurig von dannen stiehlt. Marie wird, da noch kleines Mädchen, schon zu Ouvertüren-Klängen
im Wirtshaus an einen Bräutigam verkauft, fühlt sich, nun erwachsen, vom tricksenden Hans
manipuliert, verraten und verkauft. Eine ungewöhnliche, aber logisch nachvollziehbare Lösung (…)
Eine glanzvoll komödiantische, gleichwohl auch tragische Akzente setzende Inszenierung Kay Kuntzes.
DDP, 14.3.05
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| Wa(h)re Liebe?
Und das gleich zu Beginn: Noch kündet die beschwingte Ouvertüre von Böhmens Hain und Flur,
da gibt der Vorhang bereits den Blick auf einen Spieltisch frei. Unter diesem kauert ein
kleines Mädchen, während der Herr Papa oben um Kopf und Kragen - seiner Tochter - zockt.
Pech im Spiel, auch kein Glück in der Liebe: Lange bevor das Mädchen Braut sein kann, ist
sie schon verkauft, an die Verfügungsgewalt eines Herrn, der ihr als Pfand gleich noch die
Puppe entreißt. So ungeschminkt sieht der Regisseur Kay Kuntze eine Geschichte, die sich
"Komische Oper" nennt.
Fraglich ist in der Tat, was hier komisch sein soll (…) Kuntze krempelt die Sache mit
Fug und Recht um: Hans zeigt er als unsympathischen Macho, der den Dorfmädels gerne mal
unter den Rock lugt und der den Kuhhandel in einem Wellness-Bad (…) Marie und Wenzel
hingegen, die familiär unterdrückten Außenseiter, emanzipieren sich und wählen einander
aus freien Stücken. So überzeugend lässt sich ein Libretto deuten, das neben Smetana auch
der Verfasser Karel Sabina für missglückt hielt (…)
Bei all diesen Bemühungen vergaß Kuntze nicht, Smetanas Oper als Fest zu feiern: Die
abstrahierende Ausstattung von Irene Suhr vermied zwar folkloristische Eindeutigkeiten,
gewährte der Theater-auf dem Theater-Episode des dritten Akts aber überraschend bunten Raum,
wobei ein dramaturgischer Kunstgriff (Verschiebung der Pause) half.
Diese gründliche Arbeit fügte das Orchester zum geglückten Ganzen.
Eine außergewöhnliche Produktion.
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 14.3.05
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Hans verspielt sein Glück
(…) Mit dieser kleinen Szene, zu der sich der Vorhang während der Ouvertüre nur einen Spalt
öffnet, stimmt Regisseur Kay Kuntze auf die verkaufte Marie ein. Schon in diesem Moment
wird deutlich, dass eine Geschichte von Menschen und in einer Gesellschaft, in der Geld,
Verträge, Handel dominieren, erzählt wird. Kay Kuntze ist es gelungen, diese Konzeption (…)
von Anfang bis Ende überzeugend zu inszenieren. Dem entsprechen ebenso das bunte Bühnenbild
mit seinen sich immer wieder verschiebenden schrägen Fensterfassaden - eine interessante
Idee von Irene Suhr, die auch die Kostüme entwarf (…) Tragik wechselt mit Komik,
realistisch derben Prügelszenen folgen versöhnliche - und psychisch Sensibles wird
niemals dem Spott preisgegeben. (…) Wie sie dieses Finale gestalten, geht unter die Haut.
Das Publikum jubelte, von ein paar Buhs abgesehen, die aber unter dem begeisterten Jubel
für diese wunderbare "Verkaufte Braut" schnell verstummten.
DER PRIGNITZER, 18.3.05
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