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Arabella
Lyrische Komödie von Richard Strauss, Text von Hugo von Hofmannsthal Mit: Marion Ammann, Anna Baxter, Andrea Stadel, Veronika Waldner; Antonio Yang, Martin Blasius, Timothy Richards u.v.a. Chor und Orchester des Theater Lübeck Premiere: 22.1.2010, 19:30 Uhr, Theater Lübeck Fotos |
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Verachtet mir die Stadttheater nicht!
Gerade an kleineren Opernhäusern wird oft besonders engagiert gearbeitet: Arabella in Lübeck begeistert...
FAZ, Gerhard Rohde, 2.2.2010 Regisseur Kay Kuntze hält sich im Prinzip an das Genre "Lyrische Komödie": Auftritte, Abgänge, Ruhepole, Turbulenzen - alles ist wohlgeordnet und in einen geschmeidigen Handlungsablauf eingefügt. Benita Roths Bühnenbild huldigt einem ausgesparten Realismus: lange Spielstege, von hinten nach vorne im ersten, quer als hochragende "Treppe" im Finale genügen als Raumandeutungen. Im Mittelakt schwebt die Fiackermilli in einer altmodischen Kutsche vom Bühnenhimmel. Kay Kuntze hat die Oper "Arabella" stimmig und plausibel in Szene gesetzt, ohne sie durch forcierte Regiegags zu überwürzen. Strahlend schöne "Arabella" in Lübeck
Richard Strauss' "Arabella" ist eine der eher sperrigen Opern des Komponisten.
In der Lübecker Inszenierung ist sie vor allem eins: strahlend schön. Sie kommt schnell auf Tempo,
diese "Arabella". Das Problem des ersten Aktes dieser Oper ist neben seiner Länge vor allem
die Dialoglastigkeit. Kay Kuntze aber gelingt es, ausgesprochen kurzweilige 65 Minuten auf die Bühne zu zaubern.
Er zeigt eine zerrüttete Familie auf der Flucht vor den Gläubigern, dazu benutzt er klassische Lustspiel-Mittel.
Sein Personal lässt Kuntze manchmal heftig agieren, es sind aber vor allem die Tempowechsel dieser Inszenierung,
die Eindruck machen. Immer nah an der Musik inszeniert der Regisseur, das Duett der beiden Schwestern im
ersten Akt gewinnt so eine Intensität, die manche Zuschauerin nach dem Taschentuch greifen ließ.
Hier ist "Arabella" ganz dicht am "Rosenkavalier", Strauss' Musik entfaltet ihre komplette Schönheit.
Und die wird unterstrichen durch ein karges, aber stimmiges Bühnenbild (Benita Roth) und durch Kostüme,
mit denen ihr Schöpfer José-Manuel Vázquez immer wieder nicht nur Geschmack, sondern auch tiefes Verständnis des Werks beweist.
Im zweiten Akt lässt Kay Kuntze es dann beim Fiaker-Ball richtig krachen.
Die Fiakermilli fliegt durch die Luft, eine Kutsche mit Beleuchtung wird zum Ort des Stelldicheins,
es wird getanzt und gefeiert, dass es eine Art hat.
Umso stiller dann der dritte Akt, der im Stiegenhaus des Hotels der Grafenfamilie verortet ist:
Hier inszeniert Kuntze ein intensives Kammerspiel, das auch von den schauspielerischen Qualitäten seiner Darsteller lebt.
Diese Inszenierung ist fein gearbeitet und elegant. Und trotzdem ist sie von emotionaler Wucht,
wie etwa im Liebesduett von Arabella und Mandryka:
Bei aller Leichtigkeit des Seins und des Scheins wird hier eine Wahrhaftigkeit der Gefühle erreicht,
die das Operetten-Niveau weit hinter sich lässt.
LÜBECKER NACHRICHTEN, Jürgen Feldhoff, 24.1.2010Das Publikum war begeistert und feierte Ensemble, Orchester, den Dirigenten und das Regieteam. Arabella
Kuntze führt die ›Verlobungsoper‹ als brisanten Balanceakt zwischen Gesellschaftskritik,
Unterhaltung und beglückender Poesie vor, hält sich in der prägnanten Personenregie so gut wie wörtlich an
Hofmannsthals Libretto und vertraut jeder Note der Straussschen Musik, die dadurch ihre Vielschichtigkeit erst gar
nicht unter Beweis stellen muss.
ORPHEUS, 3/2010
Für Auge und Ohr war dies eine exemplarische Arabella, der man sich mit uneingeschränktem Genuss hingeben konnte.
Deftige Gesellschaftskritik, ironisch verpackt
Mit "Arabella" hat das Lübecker Musiktheater ein Opernwerk virtuos auf die Bühne gebracht,
dessen literarischer Gehalt dem musikalischen in nichts nachsteht - eine runde Sache mit herrlichen Stimmen und Witz,
vom Premierenpublikum lautstark gefeiert.
Die Lübecker Inszenierung arbeitet diese Doppelbödigkeit mit feiner Ironie heraus,
wird da grandios, wo sie eine Traumwelt á la Marischkas "Sissi" herbeizitiert, auch vor Schmäh-Klamauk nicht zurückschreckt.
Und ganz allmählich entfaltet sich das durchdringende Aroma einer verlotterten Gesellschaft.
Deren moralische Schussfahrt ist auf gewaltigen Schrägen zu beobachten, auf denen die Darsteller dem Ende entgegen streben -
eine urkomische zu Holz gewordene bühnenbildnerische Hinterlist.
Das wunderbare, sich für jeden der drei Akte wandelnde Bühnenbild hat allerdings zwei Pausen zur Folge...
Das Premierenpublikum tobte geradezu.
SCHLESWIG-HOLSTEINISCHE ZEITUNG, Karin Lubowski, 24.1.2010Perfekte Pianokultur
...Das lag auch an der handwerklich stimmigen Regie von Kay Kuntze, dem mit seinen Ausstattern José-Manuel Vazquez
und Benita Roth ein schön anzusehendes Jahrhundertwende-Flair schuf, das den Sängern viel
Raum zur eigenen Entfaltung gab. Sie wussten ihn zu nutzen.
OPERNWELT, Christian Schütte, 03/2010 Genau die "richtige" Arabella für Lübeck
Regisseur Kay Kuntze setzt in seiner Neuproduktion für das Theater Lübeck im besten Sinne des Wortes auf "Nummer sicher".
Wunderschön anzusehende Kostüme im Stil der Jahrhundertwende, von José-Manuel Vázquez entworfen, deuten das vornehme,
aber gefährdete Millieu an, in dem die Geschichte spielt. Ein prachtvoller, meterbreiter Teppich ist das von Benitha Roth
kreierte markante Bühnenelement, er dient im ersten Aufzug als Korridor im Hotel - auf einer noch dezenten, nach hinten verlaufenden
Schräge angebracht - im zweiten Akt als Tanzfläche beim Ball und im dritten Akt schließlich als auf einer schwindelerregenden
Schräge liegende Treppe im Hotel - die Verwirrungen zwischen den Protagonisten sind hier immerhin in eine
beträchtliche Schieflage geraten. Diese sehr einfachen, aber wirkungsvollen Mittel spickt Kuntze mit einer Reihe
liebevoller Details, die zu einer runden, in sich geschlossenen Erzählweise führen.
Da gibt es keine tiefsinnig-intellektualisierte Interpretation, aber das muss auch überhaupt nicht sein -
denn Kay Kuntze ist ein Regisseur, der sein Handwerk versteht.
OPERNNETZ.DE,
DER NEUE MERKER,
Christian Schütte Ein großer Opernabend für das Theater Lübeck, der vom Premierenpublikum nicht nur mit großer Konzentration verfolgt, sondern am Ende auch mit frenetischem Jubel gefeiert wurde. Arabella philosophiert im Lauf des Stücks mehr als einmal darüber, wie sie dem "Richtigen" wohl begegnen wird - die richtige Arabella hat das Theater Lübeck jetzt. Arabella
Als nahezu klassische Aufführung kann man Kay Kuntzes "Arabella"-Inszenierung am Lübecker Stadttheater bezeichnen,
seine glaubhafte, im besten Sinne des Wortes werktreue Inszenierung betont dabei durchaus die operettenhaften Züge
des Strauss- Hofmannsthalschen Werkes, was manchem verinnerlichten Hänger der Handlung unterhaltsam auf die Beine hilft.
Die Bühne von Benita Roth spielt dabei eine wichtige Rolle, denn ein portalbreiter, abgewetzter Teppich gibt den
zweifelhaften Existenzen der Handlung den Grund, im ersten Akt nach hinten auf eine Tür fliehend, bereits mit den
Koffern des Aufbruchs bestückt, im zweiten am Portal entlang, mit aufklappbaren Paneelen dem Chor schnelle Auf- und
Abgänge gewährend, die Fiakermilli schwebt mit einer herrlich kitschigen Kutsche vom Bühnenhimmel und nützt das Gefährt
gleichzeitig als Boudoir für ihre eindeutige Profession, sogar ein rotes Lämpchen zeigt den Betrieb des mobilen
Etablissements an. Im dritten Akt erssetzt der Teppich schräg von vorne auf die Hinterbühne die Finaltreppe.
Jose-Manuel Vazquez wunderschöne Kostüme verankern die Geschehnisse in die Entstehungszeit der "Arabella", also um 1930.
Die Besetzung ist durch die Bank weg hervorragend ...auch die kleinen Partien und Chöre halten den durchgehend hohen
Standart der grandiosen Aufführung.
DER OPERNFREUND, Martin Freitag, 37.Jahrgang Eine wunderbare Wiedergabe eines Werkes, daß sich auf den Bühnen in der letzten Zeit etwas rar gemacht hat, freudiger Schlussapplaus. Eine bezaubernde, sehenswerte Arabella
"Arabella" ist kein einfaches Bühnenstück. Sie hat ihre Schwierigkeiten! So war man gespannt auf die neue Inszenierung.
Die überraschte, weil sie trotz karger Bühnenausstattung doch den Zauber des Librettos und der Musik einfing.
Der liegt vor allem in der Zeichnung der Charaktere. Eigenwilliges gibt es zu erleben und dennoch zwei glückliche
Paare am Schluss.
Für die ausgefeilte Inszenierung hatte José-Manuel Vázquez stimmige Kostüme entworfen und Benita Roth ein
praktikables Bühnenbild: große Rampen im ersten und letzten Bild und eine schlichte, dennoch geschickte
Ballsaal-Reminiszenz im mittleren.
Langer Applaus für diese sehenswerte "Arabella"!
LÜBECKISCHE BLÄTTER , Arndt Voß, 02/2010 |
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