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Der Barbier von Sevilla
Oper von Gioacchino Rossini ML: MD Oliver Weder, I: Kay Kuntze, B+K: Heinz-Dieter Ruhland Fotos |
Kammerkomödie vom Feinsten
(...) Kuntze zaubert köstliche Bilder, Personenfühungen in beinahe kabarettistischer
Manier und dennoch erleben wir ein höchst realistisches Theater, sozusagen komprimierter
Alltag pur. Interessant sind jene Stellen des Innehaltens in den Rezitativen, die die Aussagen
noch deutlicher machen. Der Regisseur arbeitet mit Geschmack, bei aller Überhöhung
hat man nicht dem Eindruck von Klamauk. (...) Man kann in Rudolstadt ein Gesamtkunstwerk an
Figurenführung erleben: Musiktheater gespickt mit Elementen der Pantomime, des Marionettentheaters
und Slapsticks. Viva Maestro Rossini...
OSTTHÜRINGER ZEITUNG, 30.4.01 |
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ML: GMD Wolfgang Wappler,
B+K: Heinz-Dieter Ruhland,
Premiere: 23.04.2000, Thüringer Landestheater Eisenach |
Ein flotter Frisör und die Liebe zu Orangen
Nicht nur die Wartburg lohnt eine Fahrt nach Eisenach, sondern auch der Besuch bei
einem Friseur, der im Thüringer Landestheater zugange ist.(...) Die Aufführung,
die vom begeisterten Publikum mit viel Szenenapplaus und mächtigem Schlussbeifall
belohnt wurde, ist mehr sehens- als hörenswert.(...) Ein interpretatorischer Ansatz aus
dem Programmheft kann als Grundlage für die fantasievolle, spritzige und ideenreiche
Inszenierung von Kay Kuntze gelten:"Nicht die Psychologie, Auslotung und Ausdeutung einer wie
immer gearteten Tiefe bestimmen das Geschehen, sondern das Vorführen allseits bekannter
Verhältnisse, die, auf die Spitze getrieben, der Lächerlichkeit preisgegeben
werden." Der Regisseur hatte ein reizvolles Vorspiel ersonnen: Rosina und Almaviva, die in gegenüberliegenden Logen im ersten Rang sitzen, betrachten sich per Opernglas und entdecken ihre Liebe zueinander. Eine Rose schwebt zu Rosina. Das Spiel kann beginnen.
Aus der Fülle überzeugender Ideen hier nur eine kleine Auswahl:
Da sind zunächst die Orangen. Sie erinnern an den Ort der Handlung, an Sevilla, und sind der
"running gag" des turbulenten Treibens, in dem Kuntze die Figuren sanft typisiert. (...) Und dass
der Figaro, dem Rossini den wohl wirkungsvollsten Auftritt eines Opernhelden beschert hat,
aus einer Wohnkiste mit der Nummer 15 steigt, dokumentiert den Einfallsreichtum des Regisseurs. (...)
Erwähnen muß man auch die bis ins Groteske choreographierte Gewittermusik. (...)
Die Aufführung mündete in ein furioses Finale, in eine Rokokofete mit
Rotwein und Spaghetti.
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Hitzig, spritzig, witzig: "Der Barbier von Sevilla" als Panoptikum des Landestheaters
Aus Gioacchino Rossinis Opera buffa "Der Barbier von Sevilla", ist in Kuntzes Inszenierung
am Thüringer Landestheater ein ausgelassen-verspieltes Treiben von großem
Bilderreichtum geworden. Ein kecker, farbiger launiger Comic das Ganze; die Mittel der
Commedia dell'arte wirken sehr frisch, sehr modern. (...) Burlesk vom ersten Takt an
wirbelt die Oper in naiver Spitzbübigkeit durchs Theater; schon während der
Ouvertüre kommt verschmitztes Komödiantentum zu seinem Recht.(...) Führt
die Liebe gerade mal das Wort, redet man jedoch nicht durch die Blume: Lasst Orangen
sprechen! Solche kullern konsequent durchs Geschehen, als Lockmittel, als Platzhalter
fürs rötlich-orange, kugelrunde Schaumstoffherz, dass sich Almaviva unterm
Balkon aus der Brust riss, als Erotika. Eine spritzige Liebesfrucht eben. (...) Die Schar
der kleinen und größeren Sünder hat Kuntze immer wieder in schöne
Choreographien gestellt, die mobilen Bühnenteile ebenfalls. Diese Choreographien
gewinnen der Partitur erstaunliche Sinnfälligkeit ab. (...) Ist die Inszenierung
erst eingespielt, wird man's kaum noch aushalten vor rasendem Witz.
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Der Spaß am Spiel
"Wer eine meiner Ouvertüren kennt, kennt sie alle" soll Maestro Rossini in entwaffnender Bescheidenheit gesagt haben.
So viel da auch "dran" ist, trifft es aber nicht zu auf die Inszenierung seiner Barbier-Ouvertüre
Nicht besser könnte man auf das Spiel (...)eingestimmt werden als durch diese musikalische Pantomime. Anschließend
geht es weniger um den wohl durchdachten Plane einer Entführungskomödie,
die freilich auch dieser Regiekonzeption zu Grunde liegt, als vielmehr den Eindruck
eines Stegreifspiels, wie es lange vor Rossini praktiziert wurde und lange nach ihm
zu neuem Leben erwacht.
In der Tat gibt Gastregisseur Kay Kuntze sich selbst und den Darstellern reichlich
Gelegenheit "die Sau rauszulassen". Wenn dabei auch mal die Grenze des guten
Geschmacks hart gestreift wird, ist das leicht verzeihlich angesichts der sprudelnden
Einfälle, die das Publikum in Atem halten.(...)
Der Regisseur ein respektabler Mitautor! (...) Ein reines Theatervergnügen in Eisenach.
THÜRINGER ALLGEMEINE, 25.04.00
als Vorspiel im Zuschauerreum des Eisenacher Theaters, in dem Rosina in Begleitung ihres Vormunds und der Graf Almaviva
von Rang zu Rang einander auf Sichtweite kennenlernen, sich der Seitenweg des Parketts blitzschnell in den mit Pfeil
markierten Heimweg zu Dr. Bartolos Haus verwandelt und der Orchestergraben in eine Art Unterwelt, die merkwürdig schwarz betuchte Gestalten
entlässt, die sich dann als die vom Grafen aufgebotenen Ständchenbringer entpuppen. |
Spiel mit Witz und Tempo
Und wenn es dann noch einem Regisseur wie Kay Kuntze gelingt, diese Atmosphäre
heiteren Geistes sicht-und spürbar zu machen, losgelöst von irdisch menschlicher
Tiefenlotung als ein lockeres Geplänkel scharfer Zunge, rationeller Einfälle
und intriganter Infamie, in dem die Dekoration nicht nur statuarisch den Rahmen abgibt,
sondern durch ständigen Wechsel der Versatzteile geradezu mitspielt, dann wird Komödie
auf ihren Urzustand zurückgeführt.
THÜRINGER LANDESZEITUNG, 01.05.00
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