Der Barbier von Sevilla

Oper von Gioacchino Rossini

ML: MD Oliver Weder, I: Kay Kuntze, B+K: Heinz-Dieter Ruhland
Premiere: 28.04.2001, Thüringer Landestheater Rudolstadt

Fotos

Ernst Volker Schwarz, Rubens Silva Kammerkomödie vom Feinsten
(...) Kuntze zaubert köstliche Bilder, Personenfühungen in beinahe kabarettistischer Manier und dennoch erleben wir ein höchst realistisches Theater, sozusagen komprimierter Alltag pur. Interessant sind jene Stellen des Innehaltens in den Rezitativen, die die Aussagen noch deutlicher machen. Der Regisseur arbeitet mit Geschmack, bei aller Überhöhung hat man nicht dem Eindruck von Klamauk. (...) Man kann in Rudolstadt ein Gesamtkunstwerk an Figurenführung erleben: Musiktheater gespickt mit Elementen der Pantomime, des Marionettentheaters und Slapsticks. Viva Maestro Rossini...
OSTTHÜRINGER ZEITUNG, 30.4.01



ML: GMD Wolfgang Wappler, B+K: Heinz-Dieter Ruhland,
Premiere: 23.04.2000, Thüringer Landestheater Eisenach

Ein flotter Frisör und die Liebe zu Orangen
Hans Gröning Nicht nur die Wartburg lohnt eine Fahrt nach Eisenach, sondern auch der Besuch bei einem Friseur, der im Thüringer Landestheater zugange ist.(...) Die Aufführung, die vom begeisterten Publikum mit viel Szenenapplaus und mächtigem Schlussbeifall belohnt wurde, ist mehr sehens- als hörenswert.(...) Ein interpretatorischer Ansatz aus dem Programmheft kann als Grundlage für die fantasievolle, spritzige und ideenreiche Inszenierung von Kay Kuntze gelten:"Nicht die Psychologie, Auslotung und Ausdeutung einer wie immer gearteten Tiefe bestimmen das Geschehen, sondern das Vorführen allseits bekannter Verhältnisse, die, auf die Spitze getrieben, der Lächerlichkeit preisgegeben werden." Der Regisseur hatte ein reizvolles Vorspiel ersonnen: Rosina und Almaviva, die in gegenüberliegenden Logen im ersten Rang sitzen, betrachten sich per Opernglas und entdecken ihre Liebe zueinander. Eine Rose schwebt zu Rosina. Das Spiel kann beginnen. Aus der Fülle überzeugender Ideen hier nur eine kleine Auswahl: Da sind zunächst die Orangen. Sie erinnern an den Ort der Handlung, an Sevilla, und sind der "running gag" des turbulenten Treibens, in dem Kuntze die Figuren sanft typisiert. (...) Und dass der Figaro, dem Rossini den wohl wirkungsvollsten Auftritt eines Opernhelden beschert hat, aus einer Wohnkiste mit der Nummer 15 steigt, dokumentiert den Einfallsreichtum des Regisseurs. (...) Erwähnen muß man auch die bis ins Groteske choreographierte Gewittermusik. (...) Die Aufführung mündete in ein furioses Finale, in eine Rokokofete mit Rotwein und Spaghetti.
FULDAER ZEITUNG, 26.04.00
 
Hitzig, spritzig, witzig: "Der Barbier von Sevilla" als Panoptikum des Landestheaters
Hans Gröning Aus Gioacchino Rossinis Opera buffa "Der Barbier von Sevilla", ist in Kuntzes Inszenierung am Thüringer Landestheater ein ausgelassen-verspieltes Treiben von großem Bilderreichtum geworden. Ein kecker, farbiger launiger Comic das Ganze; die Mittel der Commedia dell'arte wirken sehr frisch, sehr modern. (...) Burlesk vom ersten Takt an wirbelt die Oper in naiver Spitzbübigkeit durchs Theater; schon während der Ouvertüre kommt verschmitztes Komödiantentum zu seinem Recht.(...) Führt die Liebe gerade mal das Wort, redet man jedoch nicht durch die Blume: Lasst Orangen sprechen! Solche kullern konsequent durchs Geschehen, als Lockmittel, als Platzhalter fürs rötlich-orange, kugelrunde Schaumstoffherz, dass sich Almaviva unterm Balkon aus der Brust riss, als Erotika. Eine spritzige Liebesfrucht eben. (...) Die Schar der kleinen und größeren Sünder hat Kuntze immer wieder in schöne Choreographien gestellt, die mobilen Bühnenteile ebenfalls. Diese Choreographien gewinnen der Partitur erstaunliche Sinnfälligkeit ab. (...) Ist die Inszenierung erst eingespielt, wird man's kaum noch aushalten vor rasendem Witz.
EISENACHER ALLGEMEINE, 25.04.00

Der Spaß am Spiel
"Wer eine meiner Ouvertüren kennt, kennt sie alle" soll Maestro Rossini in entwaffnender Bescheidenheit gesagt haben. So viel da auch "dran" ist, trifft es aber nicht zu auf die Inszenierung seiner Barbier-Ouvertüre Edilberto Ordonez, Ernst Volker Schwarz als Vorspiel im Zuschauerreum des Eisenacher Theaters, in dem Rosina in Begleitung ihres Vormunds und der Graf Almaviva von Rang zu Rang einander auf Sichtweite kennenlernen, sich der Seitenweg des Parketts blitzschnell in den mit Pfeil markierten Heimweg zu Dr. Bartolos Haus verwandelt und der Orchestergraben in eine Art Unterwelt, die merkwürdig schwarz betuchte Gestalten entlässt, die sich dann als die vom Grafen aufgebotenen Ständchenbringer entpuppen.
Nicht besser könnte man auf das Spiel (...)eingestimmt werden als durch diese musikalische Pantomime. Anschließend geht es weniger um den wohl durchdachten Plane einer Entführungskomödie, die freilich auch dieser Regiekonzeption zu Grunde liegt, als vielmehr den Eindruck eines Stegreifspiels, wie es lange vor Rossini praktiziert wurde und lange nach ihm zu neuem Leben erwacht. In der Tat gibt Gastregisseur Kay Kuntze sich selbst und den Darstellern reichlich Gelegenheit "die Sau rauszulassen". Wenn dabei auch mal die Grenze des guten Geschmacks hart gestreift wird, ist das leicht verzeihlich angesichts der sprudelnden Einfälle, die das Publikum in Atem halten.(...) Der Regisseur ein respektabler Mitautor! (...) Ein reines Theatervergnügen in Eisenach. THÜRINGER ALLGEMEINE, 25.04.00

Hans GröningSpiel mit Witz und Tempo
Und wenn es dann noch einem Regisseur wie Kay Kuntze gelingt, diese Atmosphäre heiteren Geistes sicht-und spürbar zu machen, losgelöst von irdisch menschlicher Tiefenlotung als ein lockeres Geplänkel scharfer Zunge, rationeller Einfälle und intriganter Infamie, in dem die Dekoration nicht nur statuarisch den Rahmen abgibt, sondern durch ständigen Wechsel der Versatzteile geradezu mitspielt, dann wird Komödie auf ihren Urzustand zurückgeführt.
THÜRINGER LANDESZEITUNG, 01.05.00