Carmen

Oper von Georges Bizet

Musikalische Leitung: Jens Troester
Bühne und Kostüme: Stefan Bleidorn
Chor: Ueli Häsler
Dramaturgie: Felix Eckerle

Mit: Chrysanthi Spitadi (Carmen) Michael Siemon (Don José) Teruhiko Komori (Escamillo) Kim Sheehan, Jule Rosalie Vortisch (Micaela)
Kai Wefer (Zuniga) Andreas Veit (Morales) Peter Paul Haller (Dancairo) Günter Markwarth (Remendado) Paula Rummel (Frasquita)
Philharmonisches Orchester, Opernchor, Kinderchor

Premiere: 25.11.2011, Theater Gera

weitere Vorstellungen:
27.11.11 | 10.12.11 | 26.12.11 | 27.1.12 | 5.2.12. | 19.2.12 | 9.3.12 | 11.4.12 | 27.6.12

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Fotos, Videotrailer, MDR-Bericht





Carmen in Gera: Fatale Corrida der Liebe
Mit einer klug metaphorischen und psychologisch plausiblen, dabei durchaus volkstheaterhaften Inszenierung von Georges Bizets "Carmen" hat sich Kay Kuntze als Intendant der Ostthüringer Bühnen eingeführt. Geschickt setzen der Regisseur und sein Ausstatter Stefan Bleidorn einprägsame Schlüsselbilder, um ihre Intention zu erhellen. Noch bevor die Amour fou ihren fatalen Lauf beginnt, lugt eine barbusige Stierfrau, ein blutbesudelter Minotaurus, durch den Vorhang. Dann demonstrieren Tierschützer gegen das tradierte Spektakel des Stierkampfs. Nein - kein Diskurstheater entspinnt sich so zur robust musizierten Ouvertüre im Bühnenrund einer Arena. Sondern die Regie will lediglich eine Assoziation wecken zwischen der stolzen, allein ihrer Triebnatur und der Freiheit verpflichteten Titelheldin und dem edlen andalusischen Toro. Mit diesem Motiv spielt Kuntze bis zum blutigen Ende, ohne je ins plakativ Offensichtliche oder ins hypertroph Intellektuelle abzugleiten. Die Deutungsebene - im Sinne des Epischen Brechts - lässt jederzeit eine in sich konsistente Realistik des Erzählens zu. Diese Gratwanderung gelingt virtuos. Obwohl der Schluss über das Libretto hinausragt, wirkt er kein wenig aufgesetzt, sondern vollkommen logisch. Er verleiht dem Psychogramm Don Josés die letzte Pointe. Vorausgegangen ist eine handfeste Corrida der beiden halb von erotischer Lust, halb von der Verzweiflung des Einander-Verlierens getriebenen Protagonisten in der Arena. Nicht nur Carmens rotes Halstuch verschärft - als Muleta - diese äußerste Kulmination. Ein famoser Abend. Kuntze und Carmen: zwei tolle Debüts.
THÜRINGER LANDESZEITUNG, Wolfgang Hirsch, 28.11.11

"Carmen" ist am Theater Gera in einer aktionsreichen Inszenierung voll moderner Töne zu sehen - und kommt an
Manches, was in der Vorlage nur lüstern mitschwingt, wird penibel vor Augen geführt, und zu den Vorspielen gibt es reichlich optische Begleitung. So ist vor dem letzten Akt Don Josés Mutter im Rollstuhl zu sehen. Der Sohn streicht ihr sanft übers Haar, beschmiert sich anschließend mit Marmelade, um alsbald Carmen zu erschießen. Zuvor schon kaum noch bei Sinnen, bricht er nach der Tat in irres Gelächter aus. Die Inszenierung, die alles in allem noch maßvoll mit dem Original umgeht, ist sicher hier und da angreifbar. Leichter wäre es wohl, das Phänomen Oper als eine Welt für sich zu nehmen, in sich ruhend, letztlich nicht zu erklären und immer wieder auf ähnliche Weise aufführbar. Ob man damit das Geraer Publikum so gewinnen kann, wie es Kuntzes "Carmen" gelang, sei dahin gestellt.
FREIE PRESSE, 29.11.2011, Volker Müller

Mit seiner Bizet-Inszenierung gelingt Geras neuem Intendanten Kay Kuntze ein überzeugender Auftakt
Klar und ehrlich fällt die Regie Kay Kuntzes aus. Die mit Pumpguns im Anschlag agierenden Schmuggler mögen manchen Besucher abstoßen, doch sie sind beredter Teil von Kuntzes Strategie, die Tragisches im Alltäglichen aufzufangen versucht, die bestimmte Verhaltensmuster bedient. Dort wo gewöhnlich folkloristisches Durcheinander herrscht, schafft Kuntze Distanz zwischen José und Micaela, zwischen chorisch protestierenden Wutbürgern und Wachmannschaft. Das Peinlich-Genaue an Kuntzes Regie mag stellenweise befremden, den Knackpunkt aber zwischen Carmen und Don José trifft er auf den erotischen Punkt.
THÜRINGER ALLGEMEINE, 29.11.11