|
Dr. Ox V5.1
Musiktheater für Kinder nach einer Erzählung von Jules Verne von Alexander Keuk (Musik) und Wolfgang Willaschek (Libretto) Ein Auftragswerk des Dresdner Zentrums für zeitgenössische Musik als Koproduktion mit der Berliner Kammeroper, der Deutschen Oper Berlin, dem carrousel-Theater, der TU Berlin und der Firma Ideea ML: Brynmor Jones, I: Kay Kuntze, B: Norman Heinrich, K: Andrea Kleber, C: Anke Glasow Uraufführung: 1. Oktober 2003, Schlosstheater Dresden Fotos |
Der Computer als Büchse der Pandorra
(...) Eine Art "Zauberlehrling", auf die Lebenswelt der PlayStation.Generation abgestimt?
So einfach ist es zum Glück nicht, auch wenn der erste Blick auf das mit pointiert
gesetzten Accessoires die Bühne des Schlosstheaters klug ausnutzende Bühnenbild von
Norman Heinrich diesen Eindruck erweckt. Lara Croft, Morpheus und andere sind zu sehen,
davor, von Monitoren umgeben, Robin Johannsen als Mädchen, stimmlich wie optisch
bestens besetzt: Sie könnte direkt aus dem jugendlichen Publikum entsprungen sein.
Jules, ein Cursor auf zwei Beinen (biegsam und stumm beredt: Ulrich Blöcher), führt
sie in das Spiel, dessen Personal die friedlichen, aber hoffnungslos lahmen Quiquendoner
(ein Schelm, wer Ähnlichkeiten mit lebenden Personen darin sieht!) bilden. (...)
Erst in letzter Sekunde kann sie den Ort und seine Bewohner vor der (virtuellen) Vernichtung
retten, indem die Spiel und Spuk abbricht. Hierin liegt eine Schwäche des ansonsten
soliden, sprachlich eher anspruchslosen Librettos: Wieso geht das plötzlich? Auch
die Musik findet kein echtes Mittel gegen diesen dramaturgischen Stromausfall, sie
bricht einfach ab. Die Regie von Kay Kuntze rettet diese Szene mit einem kleinen Epilog -
"Jules" kehrt als sympatischer Jüngling zu dem Mädchen und seiner Spielekonsole
zurück, doch hinter dem Vorhang brodelt es weiter: Zwar hat sich das Mädchen
zurück in die Realität gerettet, aber in der virtuellen Pandorabüchse
bleibt die Manipulation des Nutzers nur zeitweise unter Verschluss. (...) in der besten
Szene des Stückes - der Wolfsschluchtszene, die musikalisch mit deftiger Elektronik
und bildlich mit im Schnelllauf verzerrter Originalfilmprojektion wunderbar brachial
durchgespielt wird.
DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN, 2.10.2003
Konventionellen Märchenstücken und dergleichen ist diese farbenreiche, amüsante und ebenso liebevoll, wie professionell umgesetzte Produktion allemal um Längen überlegen, und ganz großes Musiktheater will sie ja bewusst nicht sein. |
Zur "Freischütz"-Musik lässt Ox seine Kräfte spielen
(...) Streitbar und damit gelungen ist diese Koproduktion von Berliner Kammeroper,
carrousel-Theater, Deutscher Oper Berlin, TU Berlin und IDEEA mit den Dresdner Zentrum
allemal.
SÄCHSISCHE ZEITUNG, 2.10.2003
Fazit: Ein guter Auftakt für die zeitgenössischen Tage, der veritablen Diskussionsstoff ums Musiktheater, auch und gerade für Kinder, gibt. |
Dr. Ox V5.1
(...) Auf den pädagogischen Zeigefinger wird aber zum Glück verzichtet,
stattdessen ist eine abenteuerliche Science-Fiction-Oper zu sehen, mit um größte
Textverständlichkeit bemühten Sängern, einem farbintensiven Bühnenbild
und skurrilen Gestalten - allen voran ein lebendiger Cursor, der dem Mädchen das Spiel
erläutert. (...)
INFO RADIO, 22.10.2003
Trotz dieser Ungereimtheiten aber insgesamt doch eine sehenswerte, weil auf neuen Pfaden wandelnde Kinderoper, die bei den jungen Premierengästen viel Zustimmung fand. |
Jules Verne am PC
(...) Auch Kay Kuntze hat Maß gehalten und sogar ironisch Operntradition zitiert.
In der schönsten Szene wird ein Ausschnitt aus dem "Freischütz" auf eine
große Leinwand projiziert, in den der böse Dr. Ox zerstörend eingreift.
Ein Cyber-Märchen aus Fleisch und Blut, das auf 17-Zoll keine Chance hätte.
BERLINER MORGENPOST, 23.10.2003
|