Gelächter im Dunkel

Oper von Tage Nielsen nach einem Roman von Vladimir Nabokov

ML: Brynmor Jones, I: Kay Kuntze, B: Christoph Rasche, K: Gabriele Sailer
Premiere: 01.05.1997, Den Anden Opera Kopenhagen

Fotos

 
Tilmann Birschel, Evelin Garbrecht, Andreas Jören Schwarzer Humor
(...) Die Berliner Kammeroper hat das Werk in einer eleganten und straffen Inszenierung präsentiert. Es wurde moderne Oper auf hohem artistischen Niveau gezeigt. (...) Die Ironie wird in der Berliner Aufführung mit einer künstlerischen Ökonomie und einer Präzision verwaltet, die an den Hieb eines Scharfrichters erinnert. Schon Christoph Rasches Bühnenbild ist ein Wunder mit seinen zwei Hintergründen, von denen der vordere das Orchester verbirgt und während der Vorstellung niedergerissen wird, damit man zuletzt Aussicht auf das schwarz-weiße Bild grinsender Karikaturen des hinteren Prospektes hat. Vor diesen Hintergründen wird das Wohnzimmer des Kunstkritikers gezeigt, wo alles drehbar ist und wo die Farbe von kühlem Gelb zu aufreizendem Rot im selben Rhythmus wechselt, wie die Hauptperson sein Privatleben wechselt, um im letzten Akt, in dem seine Tragödie vollzogen wird, im Krankenhausweiß zu enden. In diesem Rahmen, wo sogar ein vergessenes Spielzeug auf der Bühne aufgesammelt wird und symbolische Bedeutung bekommt, hat der Regisseur Kay Kuntze ein Spiel inszeniert, indem Liebe und Haß, Berechnung und Naivität, ausgelassener Humor und Verzweiflung blitzschnell wechseln und jede Nuance im Text und in der Musik lebendig gemacht wird.
BERLINGSKE TIDENDE, 3.5.1997
 
Bruno Fath, Andreas Jören Ein Geschenk von einem Theaterwerk
(...) Und es ist souveränes Theater geworden: schräg, aufdringlich und spöttisch, durchgearbeitet bis ins kleinste Detail mit choreographischer Eleganz und mit Gespür für die sehr gut gespielte Partitur. Einzelne Ideen in dieser fließenden, feingeschliffenen und ungebrochen inspirierten Ganzheit hervorzuheben wäre sinnlos. Sehen sie's und genießen sie's! POLITIKEN, 4.5.1997
 
Bruno Fath, Andreas Jören Erotische Spasmen
Der Regisseur Kay Kuntze hat mit den Personen glänzend gearbeitet. Er versteht es Nabokovs zugleich eigenartige wie tief menschliche Personengalerie, die durch die Extreme gehen müssen, wiederzugeben. (...) Eine Beckettsche Verzweiflung kommt ins Spiel, die in ihrem extremen Ausdruck in eine Art Humor umschlägt. Es ist so zum verzweifeln, daß man lachen muß, so paradox das auch klingen mag. Als Zuschauer spürt man eine physische Unruhe. Man fühlt sich am Stuhl festgeschnallt und kann nur darauf warten, daß das Fürchterliche geschieht. Es ist unmöglich zu entkommen. In dieser Beobachtung liegt auch das Bewußtsein eingebettet, daß der Regisseur das Stück wie einen Spiegel vor uns aufstellt. Es trifft uns tief und dringt tief in uns ein, weil das Stück Kräfte der menschlichen Gemütszustände darstellt, die uns allen vertraut sind. Gehen Sie rein und sehen Sie diese Vorstellung! INFORMATION, 3.5.1997
 

 
ML: Brynmor Jones, I: Kay Kuntze, B: Christoph Rasche, K: Gabriele Sailer
Premiere: 08.03.1997, Tiroler Landestheater Innsbruck
 
Bruno Fath, Andreas Jören Internationale Klasse
Das Ensemble der Berliner Kammeroper bietet packendes musikalisches Theater. (...) Evelin Garbrecht und Andreas Jören bilden die symbolhaften, intensiv agierenden und alle Register der Opernkunst ziehenden Exponenten des Schiebertums, das seinerzeit auch Teil des beginnenden Nationalsozialismus war. Das Publikum war berührt.
SALZBURGER KURIER, 10.3.1997
 
Tillmann Birschel, Bruno Fath, Monika Degenhardt, das Kind Frederike Dammé Ein klingender Krimi
(...) Eine Dramatik die durch die dichte und temporeiche Inszenierung von Kay Kuntze zu einem klangvollen Krimi wird. (...) Es gelang überzeugend, die richtige Mischung von Ironie und Humor zu finden. Genau diese Mischung war es denn auch, die den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle stürzte.
KRONE, 10.3.1997
 
Bruno Fath, Andreas Jören Gelächter im Dunkel
(...) Gelächter im Dunkel ist eine überaus gelungene und sehr professionelle Koproduktion. (...) Diesem unaufdringlich eindringlichem Klangbild steht - als sinnfälliger Kontrast - die dramatische Überzeichnung durch Bühnenbild und Inszenierung gegenüber. Bühnenbild und Kostüme changieren von Gelb nach Rot, des Kunstkritikers Leidenschaft bricht faßt sprichwörtlich Löcher in die bürgerliche Fassade.
(Wertung: 3 von 3 möglichen Masken)
TIP, 10.3.1997
 
Bruno Fath, Andreas Jören Österreichische Erstaufführung von Tage Nielsens "Gelächter im Dunkel"
Die fünf Gesangssolisten und das kleine Orchester waren mit Feuereifer bei der Sache und konnten durchweg überzeugen. Die spannende, vorwärtsdrängende Regie, das raffinerte Bühnenbild und die treffenden Kostüme trugen das ihrige zu einem äußerst anregenden Opernabend bei. Der bei der Premiere anwesende Komponist zeigte sich über die lebhafte Publikumsresonanz sehr erfreut.
DER NEUE MERKER, Mai 1997
 

 
ML: Niels Muus, I: Kay Kuntze, B: Christoph Rasche, K: Gabriele Sailer
Premiere: 14.12.1996, Berliner Kammeroper im Hebbel-Theater
 
Bruno Fath, Andreas Jören Gelächter im Dunkel
(...)Ein stummes Vorspiel (während des Einlasses) unterstreicht die gemeinte Dialektik von Alltags-und Theaterwirklichkeit, signalisiert aber auch, daß Tage, Wochen, ja Monate vergehen, bis die gewöhnliche Dreieckskatastrophe ihr tötliches Ende findet. Schon der Komponist läßt das Reale immer wieder umkippen ins Irreale; Kay Kuntze verlebendigt und verdichtet das in einer Art kritischem Sozialspiegel, darin die scheinbare Normalität (des Ehe-und Berufslebens) sich als der alltägliche Wahnsinn decouvriert. (...) Tillmann Birschel kann das Doppelgesicht seiner Figur, die die Lust allmählich über die Pflicht siegen sieht, motivreich beglaubigen, aber auch den anderen Figuren gibt Kuntzes sehr präzise und erfindungsreiche Darstellerführung ein nachvollziehbares Profil.
SFB3: GALERIE DES THEATERS, 15.12.1996
 
Bruno Fath, Andreas Jören Berliner Verderb
(...) Und in der wirklich aufregenden Inszenierung durch die Berliner Kammeroper wurde sein Schicksal nicht angenehmer. (...) Diesen ständigen Stimmungswandel haben Regisseur Kay Kuntze, Bühnenbildner Christoph Rasche und Dramaturgin Annette Seimer in ihrer genau festgefügten Inszenierung festgehalten, in der sich Handlung und Personen zwischen rührender Menschlichkeit und greller Stilisierung bewegen. (...) Die Berliner Kammeroper schuf eine höchst spannungsvolle psychologische Galerie und eine Aufführung, die sowohl in der unmittelbaren sinnlichen Fülle als auch in der Bedeutungsschwere Tage Nielsens raffinierter Partitur gleichkam.
BERLINGSKE TIDENDE, 18.12.1996