Blond Eckbert

Deutsche Erstaufführung der pocket opera von Judith Weir (2006)
Premiere: 24.10.2007, 20 Uhr, Berliner Kammeroper

Fotos


Musikalische Leitung Brynmor Jones
Inszenierung Kay Kuntze
Bühne + Video Frank Michael Zeidler
Kostüme Mathias Rümmler
Dramaturgie Katharina Tarján

Eckbert Kai-Uwe Fahnert
Berthe Regina Jakobi
Bird Sarah York
Walther/Hugo/old woman Michael Berner
Orchester der Berliner Kammeroper


WAHN DER WALDEINSAMKEIT - die Psychologie des Romantischen
Bescheiden im Umfang, unendlich im Bedeuten: Die Berliner Kammeroper hat am Mittwoch die "Pocket Version" des Stücks gespielt; eine einstündige, pausenlose Fassung, die nicht nur dramaturgisch gut funktioniert, sondern in ihrer Kürze auch etwas vom enigmatischen Wesen der Erzählung vermittelt. Kay Kuntze hat eine visuell sehr eindringliche Inszenierung geschaffen, in der die Figuren vor zwei drehbaren Videowänden agieren, auf denen Schrift läuft, sich löscht oder der Wald vorübergleitet. Besonders die Mordszene zwischen den sich drehenden Wänden hat eine besondere Qualität, indem die Waldbilder immer wieder aus dem Blick des Zuschauers rücken, um den lauernden Eckbert zu zeigen: Dass hinter den romantischen Naturbildern stets auch seelischer Ausdruck wirkt, dieser ganze romantische Zauber des Unbewussten, wird auf betont entzauberte Weise gezeigt.
BERLINER ZEITUNG, Peter Uehling, 26.10.07


Allein im Wald
Als es noch keine Tiefenpsychologie gab, mussten wundersame Märchen und Romane erfunden werden, um den Ungeheuern des Untergrunds eine Stimme zu geben. Texte wie Ludwigs Tiecks "Der blonde Eckbert" fragten aber zugleich nach dem Lebenssinn, nach dem Zusammenhang von Mensch und Natur. Sie lassen sich auch besser vertonen als Freuds Theorien ... Kay Kuntze hat die krude Story an der Berliner Kammeroper behutsam inszeniert, die Bühne ist sparsam möbliert, nicht brutal auf modern getrimmt, der Handlungsort Harz wird auf Videobildern vorgeführt, der Wald in Form von ein paar rieselnden Herbstblättern ... Die dezent moderne Inszenierung hat starke Momente. Deutsche Romantik auf die Bühne zu bringen, das gehört bekanntlich zu den größten Herausforderungen für jedes Musiktheater. Hier gelingt es zumindest in einer Szene vorbildlich: wenn Eckberts Frau Berthe im Wahnsinn stirbt, weil sie sich die Rätsel ihres Lebens nicht erklären kann, wenn Eckbert halluzinierend durch den Wald irrt und den vermeintlich Schuldigen, seinen Freund Walther mit jener Armbrust erlegt, die ihm dieser am Vortag geschenkt hat. Da zittert es für Minuten in der romantischen Seele, da tönt Abgründiges herüber aus Tiecks Waldeinsamkeit, wie man es in zeitgenössischer Musik nicht alle Tage zu hören bekommt. Allein für diese Szene lohnt der Besuch.
BERLINER MORGENPOST, Volker Tarnow, 28.10.07



Verrückter Ritter
Das Leben ist eine Zumutung. Nur eine Stunde hat der Blonde Eckbert im Saalbau Neukölln, die Wahrheit über seine Frau zu erfahren, einen Freund zu töten und Ordnung in sein Inneres zu bringen.
Das Dreamteam der Berliner Kammeroper (Dirigat Brynmor Jones, Regie Kay Kuntze) glänzt durch eine detailreiche Inszenierung zur Musik von Judith Weir in einem vielseitig Bühnenbild. In der englischsprachigen "Pocket Version" wird die Bühnenvielfalt dem Ludwig Tiecks Märchen entsprungenen Ritter Eckbert zum Verhängnis. Regina Jakobi gibt mit Innigkeit die Ehefrau und Michael Berner mahnt in wechselnden Rollen mit lyrischem Tenor. Doch Eckbert alias Kai-Uwe Fahnert steht im Märchenwald vor Bäumen. Der Ritter verliert den Verstand ...
DER TAGESSPIEGEL, Paul Bräuer, 26.10.07



Eine Geschichte von Freundschaft und Fremdheit, von Sehnsucht und Erfüllung. Von Vertrauen und Verrat, Schuld und Rache, von Weisheit und Wahnsinn. Vom Suchen und Finden – des Glücks?
Dramatis personae: Ein Paradiesvogel, der anstelle von Eiern Perlen und Juwelen legt. Ein Hund mit einem seltsamen Namen.
Der Blonde Eckbert: Zurückgezogen in der Waldeinsamkeit des Harzgebirges lebt er mit seiner Frau Berthe, nur der Freund Walther kommt gelegentlich zu Besuch. Ein Abend am Kamin unter freundschaftlichen Gesprächen führt zu einer Enthüllung, die schnell bereut wird. Das längst Vergangene kehrt zurück.
Judith Weirs Blond Eckbert (2006), eine Adaption von Ludwig Tiecks Der blonde Eckbert (1797), bewegt sich zwischen romantischem Kunstmärchen und Psychothriller. Phantastische Traumszenen wechseln mit Momenten von „suspense“ à la Hitchcock - in Szene gesetzt durch eine Musik, die im Bewußtsein der Tradition ebenso wie der neuen Wege des Musiktheaters im 21. Jahrhundert eine ganz eigene, zauberhafte Sprache findet. 
A tale of friendship and alienation, yearning and fulfillment, of trust and treachery, guilt and revenge, of wisdom and madness, and of searching for - and finding – happiness? The players:A bird of paradise, which lays pearls and jewels instead of eggs. A dog with a strange name. Blond Eckbert lives quietly in the wooded loneliness of the Harz mountains with his wife, Berthe; only his friend Walther comes to visit them occasionally. One evening, telling a story by the fireside, something is revealed which should have remained hidden. The past returns.
Judith Weirs Blond Eckbert – an adaptation of Ludwig Tiecks Der blonde Eckbert (1797) is part fairy story part psycho-thriller. Unreal dream sequences alternate with moments of “suspense“ a la Hitchcock, the whole encapsulated in an accessible, contemporary musical language.