|
Mr. Emmet Takes a Walk
A Dramatic Sonata Musik: Peter Maxwell Davies, Libretto: David Pountney ML: Brynmor Jones, I: Kay Kuntze, B+K: Duncan Hayler Premiere: 26.05.2004, Berliner Kammeroper im Saalbau Neukölln Fotos |
Endzeitspiel um Leben und Tod
Die Berliner Kammeroper gestaltet jetzt die furiose Berliner Erstaufführung.
Für eine gute Stunde Vorstellung treibt das Ensemble einen imensen technischen Aufwand.
Im Saalbau Neukölln ist der gesamte Veranstaltungsraum umgebaut. Die Investition lohnt
sich, sie ist das Fantasie anregende, Funken sprühende Kapital von Kay Kuntzes
Inszenierung. Auf der Bühne wird eine Himmelsleiter hochgezogen. Duncan Hayler hat sein
Bühnenbild Magrittes Bild "Die durchbohrte Zeit" entlehnt. Eine Eisenbahn fährt in einen
Kamin, auf dem eine Uhr steht. Auf der Plattform darüber zeigen sich Geistererscheinungen
hinter einer Folie. Davor teilt ein Fließband den Zuschauerraum. Es wird als
Reisegepäckband, Laufsteg und Eisenbahngleis zum vieldeutigen Symbol der Aufführung.
Immer neue, überraschende Dinge und Menschen rollen aus dem Kamin heran. Ein schwarzer
Cellokasten als Sarg. Ein Müllsack mit einer Prostituierten. Brennende Kerzen für das
Candlelight-Dinner. Surrealistische Assecoires für ein düsteres, kafkaeskes Traumspiel ...
Kai-Uwe Fahnert füllt die sprunghafte, bleichgesichtige Nervenpartie des Anti-Flaneurs
mit seinem wandlungsfähigen Bariton aus. Zwischen Showgirl und Putzfrau, Monster und
Heizungsingenieur übernehmen Jewl Mosteller und John Sweeney alle weiteren Rollen. Die
Instrumentalisten der Berliner Kammeroper spielen neben, auf und über der Bühne ...
BERLINER MORGENPOST, 28.5.04 Berlin überrascht mit einem vielfältigen Angebot modernen Musiktheaters
Die Berliner Kammeroper, seit 1981 in Marktnischen der zeitgenössischen Moderne
risikofreudig erfolgreich, beeindruckt im stimmungsvollen Saalbau Neukölln mit Mr. Emmet
takes a walk" des 70 Jahre jungen Sir Peter Maxwell Davis und zeigt mit dem doppelbödig
reizvollen Werk die derzeit interessanteste Musiktheaterproduktion Berlins … Kay Kuntzes
zwischen Alltag und Abgrund blitzende Inszenierung und Duncan Haylers von Magrittes
optischen Fallen bestimmte Ausstattung machen die kleine Oper zum großen Wurf.
NÜRNBERGER NACHRICHTEN, 3.6.2004Heiß finden's nur die Eskimos
Kay Kuntze und die Berliner Kammeroper inszenieren das schräg-romantische Schauerstück ...
DER TAGESSPIEGEL, 28.5.04
Da kauert er in seinem Hotelzimmer, einem Käfig fast, der einst so souveräne Mr. Emmet.
Ihm wird immer heißer, schweißüberströmt fleht er die Rezeption an, doch die
Zimmertemperatur zu senken. Dann erstarrt er: ein riesiger Eskimo steht vor ihm, das
Zimmer sei kühl, sagt er, gegen innere Hitze könne das Personal nichts ausrichten…
Nachdem am Anfang zwei Gleisarbeiter ernst uns sachlich ihre Pflicht bezüglich der
Entfernung anfallenden Schmutzes einschließlich Blut besingen, lässt Mr. Emmet sein
Leben vorüberziehen … ein beklemmendes Kaleidoskop des Lebens … Nach den zahlreichen
Kammeropern der letzten Zeit, die sich entweder mit zwei Stunden Höchstlautstärke
Gewaltthemen widmen oder völlig ins Abstrakte verfallen ist das eine wahre Freude.
Mr. Emmet takes a walk
(...) von der Berliner Kammeroper treffend in den Saalbau Neukölln transportiert (...)
Mit dieser atmosphärisch dichten Inszenierung von Kay Kuntze in Duncan Hayler
stimmungsvoll gestalteten Bühnenraum demonstriert die (...) BKO neuen Schwung.
ORPHEUS, 9+10 2004
Embargoed
The production impressively showed the imaginative innovation that makes that company such
a treasure … One cannot say what happened "onstage", for Duncan Hayler's brilliantly
imaginative staging has succesfully transformed the entire interior of the auditorium in
the building bearing the unusual name Saalbau Neukölln … The customary sloping bank of row
seats I have found at the rear of the auditorium on all previous visits has completely
disappeared; instead, from the back of the house all the way to the (largelay unused)
little stage stretches a sort of runway. On it runs a conveyor belt which transports
singers and props from the back of the room to the front, at varying speeds appösite to
such action as the piece provides …
MUSICALAMERICA, 2.6.04
|