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Die Gehetzten
Musikalische Leitung: Tarmo Vaask Bühne und Kostüme: Bente Matthiesen Dramaturgie: Juliane Luster Mit: Nadine Lehner, Christian-Andreas Engelhardt, Loren Lang, Christian Hübner, Johannes Scheffler Chor des Bremer Theaters, Bremer Philharmoniker Premiere: 19.3.2010, 20 Uhr, Theater Bremen im Jahresheft Opernwelt 2010 nominiert für die beste Uraufführungsproduktion des Jahres Tickets Fotos Videotrailer |
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So gehetzt klingt Deutschland: Ob in den Medien, der Börse, dem Internet, bei der Arbeit oder im Umweltschutz – nichts läuft mehr „normal“. Bernd Redmann, Komponist aus München, hat mit seinem neuen Werk „Die Gehetzten“ im Zusammenwirken von Musik, Text und Szenerie eine Ästhetik der Überraschung, Irritation und Unvorhersehbarkeit geschaffen, die durchaus nicht der Komik entbehrt. Themen aus unserem Leben sind mit Szenenüberschriften wie „Börsenmakler-Song“ oder „Jüngstes Gericht“ überschrieben. Es entstand ein Panorama der Absurdität, in der wir leben. Doch Bernd Redmann stellt auch die Frage, ob diese Oberfläche des Alltags tatsächlich die Realität unseres Lebens widerspiegelt, oder ob sie nicht doch nur ein Spiel ist, mit dem wir versuchen, uns in unserem unübersichtlichen Dasein zu orientieren. |
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![]() Amüsanter Angriff auf das heilige Datennetz
Ein ebenso ideenreiches, wie fantasievolles Stück, von Regisseur Kay Kuntze und der Ausstatterin Benta Matthiesen einfalls-
und abwechslungsreich auf die Bühne gebracht. Immer hat man es mit lebendigem, unterhaltsamen, oft humoristischem Theater zu tun.
Wozu in nicht geringem Maße auch die Inszenierung beiträgt, für die Kay Kuntze und Bente Matthiessen Prospekte
nicht und nicht Maschinen schonen und ein wahres Feuerwerk an theatralen Einfällen entzünden.
Gleich zu Beginn etwa die Parodie auf die eheliche Eifersuchtsszene im Biedermeier-Wohnzimmer, wie man sie aus TV-Schmonzetten kennt
und deren letaler Ausgang, wie sich später herausstellt, tatsächlich nur für die Fernsehkamera arrangiert worden ist.
Dann das große Kampftableau, bei dem Menschen unterschiedlicher Nationen und Epochen zunächst in Reih und Glied
marschieren, dann aber übereinander herfallen und sich gegenseitig umbringen. Ein weiterer Höhepunkt ist der
makabre Tanz der Skelette, dazu die sich öffnenden Gräber, aus denen heraus halb verweste Tote (ein Sonderlob der Maske!)
sich um den Begriff "Gericht" streiten. Dann ein "Börsenmakler-Song als Revue-Auftritt,der immer mehr in Unordnung gerät.
Schöließlich das beeindruckende Finale, bei dem alle Illusionen abgeräumt werden: Die Bühnenarbeiter
schaffen Requisiten und Kulissen fort, das bisher hinter einer Wand verborgene Orchester wird sichtbar. Am Ende gehen auch die
Musiker. Nur ein einsamer Posaunist bleibt zurück. Das Spiel ist aus. Am Ende viel Zustimmung für einen nachdenklich
machenden, nicht zuletzt aber auch amüsanten Musiktheaterabend.
OPERNWELT, 5/2010, WESER KURIER, 21.3.10, Gerhart Asche Die Gehetzten: Oper analysiert Internet-Gesellschaft
Turbulente Musik und starke Bühnenbilder haben das Publikum mit dem "ganz alltäglichen Wahnsinn aus Medien, Internet,
Finanzkride, Schönheitssucht und der Suche nach Whrheit konfrontiert. Der Figurenkosmos dieser grotesken Revue
reicht von Napoleon bis zu Putzkolonne und Totentanz. Das Premieren-Publikum feierte die 90minütige Uraufführung
mit begeistertem Applaus.
DIE WELT, lni, 22.3.10
Abstrus, irreal und skurril
Kann man nach einem solchen Abend die Frage noch der Gattung Oper überhaupt noch stellen? Die Qualität dieses kurzweiligen Abends kam auch maßgeblich vom hohen Niveau der Inszenierung. Was dem Leiter der Berliner Kammeroper Kay Kuntze da alles eingefallen ist, setzt nicht nur für dieses Stück Maßstäbe. Die Bilder explodieren geradezu vor vollkommen unzusammenhängender Bilderlust. Zum Beispiel der 50er-Jahre- Kitsch der Beziehung von Billy und Sheila mit ihren Jahrmarktherzen, das Internet als allegorische weibliche (Göttin-)Figur, an deren Fäden alle hängen, der tiefgefrorene Kunstphilosoph, der die Ironie über den Avantgardebegriff der 50er und 60er Jahre stottert, während er mit einem Fön wieder aufgetaut wird. Die Mitglieder des Chores spielten ihre bizarren Rollen exzellent. Wie gesagt, der Unterhaltungswert des abstrusen, irrealen und skurrilen Stückes ist hoch. NEUE MUSIKZEITUNG, Ute Schalz-Laurenze, 22.3.10 Oper «Die Gehetzten» in Bremen uraufgeführt
Hoch über den Köpfen der Sänger erscheint die Internet-Göttin als Lichtgestalt.
Die Menschen dürfen nach den Fäden ihres Kleides greifen und sich so vernetzen.
Doch der Datenfluss macht sie zu Getriebenen.
Um Medien, Börsencrash und Sinnsuche kreist die Oper «Die Gehetzten» des Münchner Komponisten Bernd Redmann.
Das Publikum feierte Redmanns turbulente Musik-Collage und die bilderstarke Inszenierung von Kay Kuntze
mit begeistertem Applaus.
Die Handlung wirkt dabei wie durch den Fleischwolf gedreht.
Kuntze verstärkt solche Szenen mit eindringlichen Inszenierungsideen.
Eine Frau wird vergewaltigt.
Finanzmakler reißen die Aktenkoffer hoch und hecheln: «Die Börse ist böse, die Börse ist lieb.»
Ein Totentanz beginnt. «Es gibt kein Zurück!», prophezeit der Chor.
... Das wechselnde Personal der Revue reagiert auf solche Brüche.
Als sich historisch gekleidete Menschen auf einem Kriegsschauplatz suhlen, rückt eine Putzkolonne des 21. Jahrhunderts
an und bereitet der Geschichte ein Ende. Diagonal über die Bühne verläuft eine Wand aus Wellblech.
Dahinter spielt das Orchester, davor toben das Leben und der Tod. Gerippe tanzen zu dumpfer Musik mit Glocke und Schlagwerk.
Und dann zum Schluss erneut ein eindrucksvoller Kunstgriff, um die Atemlosigkeit der Welt deutlich zu machen:
Techniker räumen die Bühne leer, obwohl das Stück noch gar nicht zu Ende ist. DPA, Sabine Komm, 20.3.10
Anschlussfähige Avantgarde
Die Ankündigungen ließen nichts Gutes ahnen. Doch die Oper mit dem eher irreführenden Titel "Die Gehetzten"
entpuppt sich bei ihrer Uraufführung als sinnenfrohe Farce, als stellenweise sogar großartige Groteske.
Sie besitzt weder stringente Handlungen noch sich entwickelnde Figuren, aber zahlreiche theatrale Situationen,
in denen sich die SängerInnen spielerisch nach Herzenslust austoben. Zum Beispiel der bei einer Probe ermordete Regisseur,
der nach seiner Auferstehung aus einer Gefriertruhe heraus eine Pressekonferenz über die "Kunst der Zukunft"
abhält und daraufhin von einem Sänger, der im echten Parkett einen falschen Zuschauer mimt, wild beschimpft wird,
woraufhin sich der Opernchor selbst niedermetzelt und … und dann kommt irgendwann das Jüngste Gericht, in diesem Fall
ein Amtsgericht, dessen Amtsträger alle unter 30 sind, ein Grab öffnet sich und aus dem Mund der Toten krabbeln
Kakerlaken, während sie vom - kleines Missverständnis - "jüngstem Gesicht" singt.
Die Bremer Uraufführung der "Gehetzten" kennt keine falsche Scheu vor unmittelbarer Bildersprache.
Während zeitgenössisches Musiktheater sonst oft die lyrischen oder dramatischen Register zieht,
setzen Redmann, und sein Regisseur Kay Kuntze, bekannt als künstlerischer Leiter der Berliner Kammeroper, auf Humor -
in all seiner Ambivalenz zwischen erheiternd und bieder.
So entsteht ein Stück von kurzweiliger Gegenwart: Wer reingeht, wird sich sicher nicht langweilen.
Das ist gut, wäre aber natürlich zu wenig, wenn nicht die Spiellust so ansteckend wäre,
mit der insbesondere Christian Hübner und Christian-Andreas Engelhardt in Bente Matthissens lustvoll errichteten
Bühnenbildern agieren. Engelhardts großer komödiantischer Erfolg in "Die Gehetzten" spiegelt das Prinzip,
nachdem man dieser Oper durchaus eine Zukunft außerhalb der Schublade nur einmal gespielter Erstlingswerke zutrauen kann:
So wie Engelhardt bislang ungeahnte Qualitäten im eher seltenen Tenor-Fach "farcenhafter Humor" zeigt, so werden die
"Gehetzten" dank ihrer durch das Prädikat "zeitgenössisch" geadelten Amüsement-Trächtigkeit die Gunst des Publikums finden -
als "anschlussfähige Avantgarde". TAZ, Henning Bleyl, 22.3.10 Mit Kunstblut und Plastikspinnen
Das ist hinreißend komisch, was Regisseur Kay Kuntze zu verdanken ist, der nicht nur schöne Bilder gefunden hat,
sondern das Ensemble zu darstellerischen Höhepunkten führt und auch vor Slapstick-Humor nicht zurückschreckt.
BREMER ANZEIGER, Andreas Schnell, 22.3.10
Der Weltuntergang ist erfolgt, und es gibt kein Zurück
Und mit derber Komik spielt auch Regisseur Kay Kuntze. Dabei schimmert ein durchaus ernster Tenor durch:
Das wird besonders drastisch in einer Szene, in der ein Chor von Börsenmakler im Gleichschritt auf der Bühne marschiert,
sich gegenseitig mit Aktenordnern von den vorderen Plätzen wegboxt und dabei krampfhaft siegessicher grinst.
Auch das Bühnenbild greift diesen chaotischen Revue-Charakter auf: Vom Biedermeierschmankerl bis zum Horrorkabinett
mit Skelettballett (Tenor Christian-Andreas Engelhardt als makabrer Unterweltskoch!) ist alles vertreten.
Vielleicht ist auch alles nur ein absurdes Spiel des blinden Bettlers?
Der nämlich initiiert und beendet die „musiktheatrale Farce“ unter zynischem Gelächter.
Allerdings drängt sich auch mal ein vorlauter Regisseur oder ein Mann aus dem Publikum dazwischen.
Und während der letzten Szene räumen die Techniker schon mal die Bühne auf. Auch die Musiker brechen vorzeitig auf.
Als Letzter geht ein Posaunist spielend ab. Kurzum: ein Mordsgaudi.
OLDENBURGISCHE VOLKSZEITUNG, NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG, Martina Binnig, 22.3.10 Willkommen im Theater der bunten Absurditäten
Die 21 Szenen haben keine eigentliche Handlung, sondern reihen in einer skurrilen, von Kay Kuntze bunt
inszenierten Revue die Absurditäten unserer Alltagswelt aneinander.
Das beginnt mit einem herrlichen Ehestreit, der zwar tödlich endet, was die beiden aber nicht hindert,
sich am Ende zu versöhnen.
Das Libretto reißt die verschiedensten Themen an: Da wird von der „Wahrheit als käuflicher Ware“,
von der „Wirklichkeit als multimedialer Veranstaltung“ gesprochen. Das Internet wird als schöne Frau personifiziert,
die zu den Klängen einer rauschhaften Musik, als wäre sie von Richard Strauss, wie eine Göttin die Fäden der Welt in
der Hand hält – ein schönes, gelungenes Bild.
Da werden abstruse Kunst-Events veräppelt, um dann (zu meditativer Musik) ein „Publikumsentspannungsprogramm“
durchzuführen. Das „jüngste Gericht“ gibt Anlass zu gleichzeitig albernen und hintergründigen Wortspielereien.
Der Handel mit Waffen – vom Nudelholz bis zur Maschinenpistole – mündet in ein Gemetzel. „Augen zu und durch“
ist die Maxime unserer Welt. Ein witziges Ballett von Skeletten erinnert an das Schwarze Theater Prag,
ein Nachrichtensprecher verkündet über einen Monitor die „Wahrheit“.
Dieses Kaleidoskop der Absurditäten, bei der ein blinder Bettler für den roten Faden sorgt, ist sehr
amüsant und kurzweilig. Die Solisten, angeführt von Nadine Lehner, boten jedenfalls eine abwechslungsreiche „Show“.
NORDWESTZEITUNG, Wolfgang Denker, 22.3.10
Schillernde Apokalypse
Herren in Nylonschürzen, die ein Schlachtfeld säubern, Tote, die über den Geschmack des "Jüngsten Gerichts"
diskutieren und Schädelfußball spielen. "Enträtselt mich. Das Spiel beginnt. Die Sinne sind geschärft",
verspricht der Blinde dem Publikum. Und er sollte recht behalten. Sofort beginnt sich ein imaginäres Karussel zu drehen,
das die Zuschauer mitreißt und in aneinandergereihte Szenerien führt, die mal absurd-trivial, mal
philosophisch-pathetisch sind. Die Inszenierung bot unter Kay Kuntze ein Bühnengeschehen, bei dem
von der Platzanweiserin bis zum Techniker alle einbezogen waren: Die wohl actionreichste Oper. WESER REPORT, Annica Müllenberg, 22.3.10 Die Gehetzten
Voor de enscenering was Kay Kuntze verantwoordelijk en hij deed dit op sublieme wijze.
Het enige dat negatief overkwam was het feit dat "Die Gehetzten" maar een duurtijd kende van 90 minuten.
Deze uitvoering mocht gerust nog een uurtje langer geduurd hebben. OPERA GAZET, W.V., 25.3.10 Das Absurde lebt
Welch ein Spaß! Die Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit in unserer schnelllebigen Zeit.
Die Mischung aus Farce und Komödie sorgt für nachdenkliche Momente ... ein mutiges zeitgenössisches
Musiktheater. Bravourös!
BILD, C. Laubach, 22.3.10
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