Hänsel und Gretel

Märchenoper von Engelbert Humperdinck

ML: GMD Michael Helmrath, I: Kay Kuntze, B: Sandra Linde, K: Ute Noack
Premiere: 5. August 2005, Kammeroper Schloss Rheinsberg

Fotos

Das Böse steigt aus der Sahnetorte
(…) Kay Kuntze (Regie) und Sandra Linde (Bühne) pfeifen auf wilhelminischen Biedersinn und Bayreuther Waldweben, setzen stattdessen auf Spielwitz und hintersinnigen Dekor. Hänsel und Gretel hauen ab aus einer mit nicht verkauften Reisigbesen zugepflasterten Hütte. Bevor sich der Besenbinder-Vater und die sorgenfaltige Mutter auf die Suche nach ihren verschwundenen Kindern machen, setzt sich das Inventar in Bewegung, ein bedrohliches Besenballett. Die ökonomische Krise scheint die ganze Familie aus dem Haus zu treiben. Der Wald ist eher eine Lichtung, die sich bald mit Kinderwünschen und mit Kinderalbträumen füllt, mit grünen Waldgeistern und riesigen Kinderbuchwattewolken. Gabriela Scherer (Hänsel) und Katja Bentz (Gretel) überzeugen als frech-spielfreudiges Geschwisterpaar (…) Und die Hexe? Sie verbirgt sich unter dem obersten Sahnetupfer einer vierstöckigen Himbeercremetorte. Die Sahnestück-Kulisse ist Klettergerät und Kinderfalle - eine originelle Hexenhausversion, der Baustoff muss nicht immer Lebkuchen sein. Aufgeklappt beinhaltet die Riesentorte mit Kinderknast und Hexenofen alles, was eine Humperdinck-Hexe so braucht - beim Hexenritt fegt sie auf einem fahrbaren Riesenbesen durchs Publikum (…)
DER TAGESSPIEGEL, 8.8.05
 
Hexentanz und Knuspertorte
Engelbert Humperdincks Märchenoper als Geschichte eines Aufnahme-Rituals? Einer Initiation? Wird Hänsel, der arme Besenbindersohn, im Hexenwald nur geprüft, um im Kreis einer Jugendgruppe Bestätigung zu finden? In seiner Inszenierung für die Kammeroper Schloss Rheinsberg, die am Freitagabend des schlechten Wetters wegen leider nur in der Ausweichspielstätte stattfinden konnte, scheint Regisseur Kay Kuntze das so zu sehen. Wenn die Brandenburger Symphoniker unter der wohltuend behutsamen Leitung Michael Helmraths das Vorspiel intonieren, sieht man eine Kinderschar Ball spielen. Hänsel aber bekommt das Leder nicht in den Griff. Und so beginnen die Kinder ihn zu schubsen und zu rempeln: Sie hänseln ihn (...) Mit dem Märchen hat das wenig zu tun. Und deshalb muss Kuntzes Versuch, die Oper mit derlei Doppeldeutigkeit zu überziehen, ziemlich gewagt genannt werden. Zum Glück jedoch tut der Ansatz weder der Vorlage noch der Inszenierung Abbruch. Das Spiel kommt frisch und unbeschwert daher. Das gilt besonders für Gabriela Scherers Hänsel. Überzeugend zeigt die Sängerin einen pubertierenden Jungen. Mit kleinen Mädchen will der bekanntlich nicht mehr tanzen - Kuntze inszeniert mit leichter Hand und viel Witz die Geschwisterbeziehung (Katia Bentz: genau als fleißig-naive Gretel) - mit der großen, wahrlich verlockenden Hexe aber will der Bursche auch (noch) nicht warm werden. Im Traum im Wald erscheint ihm dann auch neben liebenswerten Geistern vor allem das begehrte Spielobjekt - der Ball. Am Ende wird er ihn stolz in den Händen halten. Die Kinderhorde jubelt. Sandra Linde hat die Bühne als prächtiges Märchenland gebaut: blühende Hecken und kalte Wolkenberge. Nadja Klitzkes Auftritt als Sandmännchen ist atemberaubend: eine eisige Schneekönigin. Maki Nakanishis Taumännchen versprüht glitzerndes "Nass" aus Blütenkelchen, während die Waldgeister in fantasievollen Kleidern mit Insektenflügeln und exotisch anmutendem Blattwerk (Kostüme: Ute Noack) zu AnnaLisa Cantons Choreographie tanzen. Julia Kirchers Knusperhexe ködert die Geschwister mit südlich-heißem Temperament, bevor sie als listige Magierin ihr wahres Wesen zeigt. Ihr Knusperhaus ist eine gigantische Torte, ein Meisterwerk, das nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. Viel Nebel folgt und ein grandioser Hexenritt:
Jubel, tosender Beifall. Im Heckentheater wäre es sicher noch mal so schön. Dennoch ist dieses "Kinderstuben-Weihefestspiel" (so nannte Humperdinck sein Werk scherzhaft) ein gelungener Abend für die ganze Familie.
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 8.8.05
 
Kammeroper Rheinsberg: "Hänsel und Gretel"
So viel (scheinbares!) Weihnachtsmärchen war doch wohl zu viel für den Wettergott. Pünktlich zum ersten Ton von Humperdincks Hänsel und Gretel senkte sich ein fünfstündiges Tiefdruckgebiet über das Rheinsberger Heckentheater. (…) Man war rechtzeitig aus dem barocken Freilichtrund aus- und in die Blechbüchse im Hafendorf eingezogen. (…) Doch gerade unter solch drückenden Bedingungen zeigen gute Stücke, was in ihnen steckt (…) Oben, auf dem Blechdach, pladdert's und tropft's. Unten sitzt man mit weichen Knien, und schenkt sich verdruckste Tränen, weil's gar so schön ist. Die Hecken an diesem Abend ohne Heckentheater musste man sich hinzudenken. Fest steht aber, dass Kay Kuntze Hänsel und Gretel als sommernachtstraumhaften Märchenwald auffasst. (…) Naiv-plakativ und hübsch ist das, aber die böse Mutter als überforderte Erzieherin, ein guter Vater als tumber Alk tragen doch nüchterne Zwischentöne ein, die den Abend tragen (…) Die Klingonen-Knusperhexe wohnt in einer rosa Riesentorte (…) Sie tarnt sich als giftiges Sahnehäubchen. Rheinsberg ist mit dieser Produktion gut aufgestellt - Dieses Jahr gibt man erneut das Asterix-Dorf im besetzten Gallien. Die ganze Region scheint von der Berliner Opernkrise besetzt. In Rheinsberg schenkt man munter Zaubertrank aus.
KULTURRADIO AM MORGEN, 6.8.05
 
Viel Beifall für Rheinsberger Premiere von "Hänsel und Gretel"
Auf die begeistert gefeierte Premiere am Freitag folgen bis zum 13. August noch fünf Vorstellungen. Die sieben Sänger aus fünf Ländern sowie Dirigent Michael Helmrath und Regisseur Kay Kuntze wurden bei der ersten Aufführung mit viel Beifall bedacht.
DDP, 6.8.05
 
Kammeroper-Inszenierung verzaubert das Publikum
(…) Den Zauber des Heckentheaters im Schlosspark vermisste bald niemand mehr. Zur Verzauberung des Publikums brauchte es nur diese rundum gelungene Inszenierung der Märchenoper. In wunderbarer Eintracht entführten Regie, Kostüme, Bühnenbild, die Brandenburger Symphoniker und das junge Sängerensemble in die Grimmsche Märchenwelt. (…) Mit großer Sensibilität und Genauigkeit, mit Gefühl für Timing und dramaturgischen Feinsinn hat Kay Kuntze die Oper inszeniert, die weit mehr ist, als eine Oper für Kinder. Absoluter Höhepunkt des Abends ist das 2.Bild,das die Geschichte der Kinder im Wald erzählt, die den Weg nach Hause suchen. Der märchenhaft inszenierte überirdische Auftritt des Sandmännchens, das die Kinder ein Schlaf führt und sie in der Nacht behütet, das Hoffen und Bangen der Kinder in einer Welt aus Traumund Wirklichkeit, das ist musikalisch wir dramaturgisch derart auf den Punkt getroffene, dass sich die Zuhörer der Wirkung kaum entziehen können. In seltenem Einklang zwischen Vorlage und Inszenierung wird auch Erwachsenen das Erleben von Kindern nachfühlbar, die sich verloren fühlen. Eltern, die nicht hoffnungsvoll gefühlskalt sind, dürfte sich die Gewissensfrage auftun, ob sie ihren Kindern tatsächlich genügend Liebe und Geborgenheit schenken (…) Zum Abschluss brandete der begeisterte Applaus des Premierenpublikums auf. Zu recht! (…) Die Macher der Inszenierung waren ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
RUPPINER TAGEBLATT, 8.8.05
 
Knuspern an der Sahnetorte
(...) Der Märchenzauber beginnt schon mit der Ouvertüre. Hier sieht man schon Hänsel,der ungeschickt und ärmlich von den Kindern verlacht wird, weil er keinen Ball trifft. Wütend kommt Hänsel in das Besenbinderhäuschen und jammert vor seiner Schwester. Und hier ist das Publikum dann bereits vollkommen verzaubert (...)
Kay Kuntze inszeniert das Märchen mit zahlreichen Anspielungen, die es auch zum Spiel für Erwachsene machte. Aber, und das ist wohl das Geheimnis der Inszenierung, er lässt es bei Andeutungen und zerstört das romantische Märchen niemals (...) Der schönste Einfall aber in dieser Inszenierung ist das Hexenhaus. Statt des üblichen Lebkuchenhäuschen finden die Kinder eine gewaltige vierstöckige Erdbeer-Sahne-Torte (...)
MAGDEBURGER VOLKSSTIMME, 13.8.2005
 
Hänsel und Gretel bleiben im Märchenland
(…) Kuntze lässt die Oper dort, wo sie am besten aufgehoben ist, im Märchenland. Auch bei ihm sind die Eltern arme Leute, die von Sorgen kaum in den Schlaf kommen und vor Verzweiflung Erziehungsfehler machen. Die Geschwister sind quicklebendige Kinder, die sich necken und zusammenstehen, wenn Gefahr droht (…) Der Regisseur verzichtet hier auf eine kitschige Engel-Parade, dafür halten gute und quirlige Geister Wache bei der Nachtruhe im Wald (…) Kammeropern-Chef Siegfried Matthus versprach vor der Vorstellung, dass das Publikum die nüchterne Halle durch die Inszenierung vergessen werde. Er hatte Recht. Das Bühnenbild mit den verschiebbaren Hecken, das karge Besenbinderhaus, die "sahnige" Torte sowie die farbintensiven Kostüme zeugen von einer köstlichen Fantasie (…) Und die jungen Sängerinnen wirbelten so souverän durch die Szene (…)
Großer Beifall für die Mitwirkenden und für die im Hintergrund agierenden.
POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN, 11.8.05
 
Das Knuspern der Klänge
Ob Schönbohm am Freitag auch in Rheinsberg war? Wir wissen es nicht - aber falls Brandenburgs als Opernfreund bekannter Innenminister die Premiere verpasst hat, sollte er den Besuch schleunigst nachholen (…) Da kann es einen schon gruseln, und es ist kein Wunder, dass Regisseure immer wieder auf der Grausamkeit der "Hänsel"-Geschichte bestehen - zum Unwillen eines Publikums, das oft nur blanke Lebkuchenseligkeit sehen will.
DER TAGESSPIEGEL, 7.8.05
 
Dämonischer Märchenwald in der Bootshalle
(…) Regisseur Kay Kuntze liest "Hänsel und Gretel" als sommernachtstraumhaften Märchenwald. Giftgrüne Waldgeister huschen durchs Unterholz. Auf dicken Nebelbänken schwebt das Sandmännchen. Gretel im Hängerchen singt wie Judy Garland im "Zauberer von Oz" regenbogenschön ihr Brüderchen an. Naiv-plakativ und hübsch ist das. Mit dem trillernden Taumännchen, der Mutter als überforderter Erzieherin und dem Vater als versoffenem Gutmenschen aber auch voller Zwischentöne (…)
BERLINER MORGENPOST, 7.8.05
 
Rheinsberg
Eine erfrischend jugendliche Aufführung von Humperdincks Märchenklassiker "Hänsel und Gretel", von Regisseur Kay Kuntze sehr überzeugend in Szene gesetzt - vor allem die Verwandlungen mittels lebender Kulissen; hinreißend die Riesentorte als Hexenhaus, wovon ein Stück zu Hänsels Gefängnis und der Rest zum Backofen wird (...) eine wunderbare Freilichtaufführung (...) Das Publikum im ausverkauften Rund applaudierte herzlich (…)
DER NEUE MERKER, WIEN, Sep/05
 
Notlösung für die Premiere
(…) Dennoch erlebten die mehr als 800 Premierenbesucher in der Werfthalle eine zauberhafte Aufführung. Bis in die Nebenrollen hinein agierten die 21 Sängerinnen und Sänger mit großer Spielfreude (…) Das ändert nichts an der Tatsache, dass die phantasievoll gestaltete Märchenoper in dem nüchternen Zweckbau viel von dem besonderen Zauber einbüßte, den sie im Spielort Heckentheater so überreich entfaltet. Regisseur Kay Kuntze hat Humperdincks Oper einfach kongenial für dieses Naturtheater inszeniert. Gekonnt bezieht er die Parkkulisse bis in die Tiefe des Raumes in das Geschehen mit hinein. (…) Fazit: Dieser wunderbaren Inszenierung muss man für die weiteren Aufführungstermine einfach schönes Wetter wünschen.
MÄRKISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, 8.8.05
 
Presse zur Brandenburger HÄNSEL UND GRETEL - Inszenierung