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The Io Passion
Oper von Harrison Birtwistle, Libretto: Stephen Plaice In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Eine Koproduktion von Berliner Kammeroper und Konzerthaus Berlin ML: Peter Aderhold, I: Kay Kuntze, B+K: Stefan Bleidorn, D: Katharina Tarjan, Jens Schubbe Mit: Silje Aker-Johnsen, Laura Cameron, Isabel Hindersin; Andrew Mayor, Clayton M. Nemrow, Markus Vollberg Iturriaga Quartett, Andreas Langenbuch (Bassettklarinette) |
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| On the site of the forgotten Mysteries of Lerna, the compulsive relationship between a man and a woman reawakens the buried gods. They have scented a sacrifice. Back in the city, the woman clings to her domestic routine, trying to come to terms with the terrible manifestation she experienced with the man in Greece ... STEPHEN PLAICE Ein Mann und eine Frau. In Lerna, einer Ausgrabungsstätte nahe Argos, hat sie der Blitzschlag der Leidenschaft getroffen, und ihre heftige erotische Begegnung hat die alten Götter aus dem Schlaf geweckt. Der Mythos von Zeus und Io erwacht zu neuem Leben. Zeus hatte die schöne Io, eine seiner unzähligen Geliebten, zum Schutz vor seiner eifersüchtigen Gemahlin Hera in eine weiße Kuh verwandelt, die gleichwohl von Hera durch eine Rinderbremse bis zum Wahnsinn verfolgt wurde. Zurück im Alltag des 21. Jahrhunderts: Plötzlich liegen Liebe und Hass nahe beieinander. Die Frau, zutiefst verunsichert durch das Erlebte, versucht sich zu distanzieren, kämpft mit ihrer inneren Unruhe, immer wieder von einer Fliege belästigt. Der Mann sucht den Kontakt, treibt sich vor der Haustür der Frau herum, wagt nicht zu klopfen und wirft stattdessen einen Brief ein. Die Frau, die in einem unruhigen Schlaf liegt und sich in immer wilderen Träumen von Zeus und Io verliert, erwacht, liest den Brief, zögert, entschließt sich zu einer Antwort. Ein qualvoller Teufelskreis – bis sich die Frau ihrer Plage schließlich auf ziemlich ungewöhnlichem Wege entledigt... Begleitet wird das Kammerspiel von einem Streichquartett und einer Bassettklarinette, jenem historischen Instrument, für das Mozart sein Klarinettenkonzert und -quintett schrieb. Birtwistle findet dabei musikalisch zu einem völlig neuen, äußerst lyrischen Idiom, das durch die Intimität der Besetzung verbunden mit der außergewöhnlichen Dramaturgie eine extreme Nähe zum Geschehen auf der Bühne herstellt.
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Fotos: Mathias Rümmler
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The Io Passion Erstaunlich, dass ausgerechnet die kleine, ohne festes Haus vagabundierende und von Geldknappheit gebeutelte Berliner Kammeroper es vermochte, die Repertoiretauglichkeit dieses Neunzigminüters nachzuweisen … Regisseur Kay Kuntze rückt die Handlung nah und konkretistisch an die Zuschauer heran. Deutlicher als in der Uraufführung verfolgt man alle Handlungen doppelt: Die Pirschgänge zweier, einander umrundender Neurotiker, diverse Rückblenden des Mythos mit Rindvieh und zotteligem Zeus sowie die reagenzglasartige Künstlichkeit des Ganzen erwecken hier nie den Eindruck kühler Entrücktheit. Dies trifft den Geist des Librettos von Opern- und TV-Autor Stephen Plaice vorzüglich. Prompt gewinnt das Stück an Heutigkeit, psychoanalytischer Tiefe und komödiantischem Leichtsinn. Anhaltender Jubel für diese Wiederaufführung. OPERNWELT, Kai Luehrs-Kaiser, Januar 2009 The Io Passion Kay Kuntze nutzt die gesamte Länge des Raumes für seine raffinierte Inszenierung dieser sich ins Mythische weitenden Beziehungsgeschichte … Kuntze setzt Birtwistles suggestiven, bildkräftigen Klangteppich sehr genau um. Wie er etwa die sich anfänglich zyklisch wiederholenden Alltagshandlungen spiegelbildlich anordnet, hat große Sogkraft - und ist natürlich auch der eindringlichen singdarstellerischen Kunst des Ensembles zu verdanken. ORPHEUS, Karin Coper, 1+2/09 Und die Frau sprach: "Muh!" Was ist Sprache denn auch anderes als ein Zeitwall gegen die Imperative von Lust und Angst? Kay Kuntzes Inszenierung arbeitet das auch konsequent heraus. Während die Frau davon träumt oder darüber schreibt, werden die mythischen Vorgänge auf der Mitte der Bühne gezeigt. Und zwar in aller Drastik ... Für die Komplexität dieser Koproduktion von Berliner Kammeroper und Konzerthaus steht auch der Schluss: Die Frau vergewaltigt den Mann symbolisch mit ihrem Stift (englisch: Pen). Sie beschreibt aggressiv seinen Körper und kehrt so das Gewaltgefälle der Geschlechter um. Pen, Penis, Penetration: Schreiben als Ersatzhandlung und Kompensation der Ohnmacht. Die sinnliche Suggestion dabei ist gleichwohl enorm. BERLINER ZEITUNG, Jan Brachmann, 10.11.08 Erotisch polyphon …Dass kein größeres Haus, sondern die dem englischen Musiktheater wohlgesinnte Berliner Kammeroper mit ihrem Regisseur Kay Kuntze die deutsche Erstaufführung von "The Io Passion" übernommen hat, paßt ins Bild… Musik wie Handlung sind auch in Wiederholungsmustern rituell durchorganisiert, und im Zusammenspiel von psychologisierendem Klang und abstrahierender Struktur entsteht die Idee von Musiktheater auf berührende Weise neu. FAZ, Martin Wilkening, 14.11.08 The Io Passion Der Mythos wird vom Komponisten in der Gegenwart gespiegelt und der Regisseur Kay Kuntze spiegelt die Handlung wiederum auf der breiten Bühne, die ihm Stefan Bleidorn gebaut hat. Links außen wartet der Mann vor dem Haus der Frau, rechts ist gespiegelt das Innere des Hauses zu sehen, in dem sie Tee trinkt, träumt und aus dem Fenster schaut ... Die Rollen des verhinderten Paares sind aufgespalten und werden auch szenisch virtuos gespiegelt. Die Visionen und Traumgesichte der Frau werden immer bedrohlicher, steigern sich bis zu Gewaltfantasien. Handelt es sich noch um Verführung oder doch um eine Vergewaltigung? Jedenfalls rührt die Erinnerung an das Urlaubsabenteuer bei ihr an tiefe Traumata ... So wird "The Io Passion" zum lange nachwirkenden, beeindruckenden Musiktheater. Unbedingt sehenswert! MÄRKISCHE ODERZEITUNG, Uwe Friedrich 14.11.08 The Io Passion De eenvoudige maar toch erg originele regie werd verzogd door Kay Kuntze, sinds 2002 verantwoodelijk voor de leiding van de Berliner Kammeroper. Vier zangsolisten waarvan de meeste een dubbele rol dienden te vertolken zorgden voor mooie momenten ... Bij het slot werden alle vertolkers door een volle zaal met een langduring applaus beloond. Aangezien "The Io Passion" voor een kleine bezetting geschreven is, denken wij dat dit werk wel op de planken van meerdere theaters zal verschijnen. OPER GAZET, W.V., 22.11.08 Das Lied des Mondes In sorgsam abgestuften Handlungszyklen sieht man das Paar zunächst Alltagsverrichtungen nachgehen. Die Frau gerät mehr und mehr in den Bann der Sage um die Mondgöttin Io, die von Zeus begehrt, bestiegen und dann in eine weiße Kuh verwandelt wird, um sie vor der Göttergattin Hera zu verbergen. Das alles zeigt die Berliner Kammeroper auf einer einfachen, aber zweckmäßigen Bühne, Regisseur Kay Kuntze schafft mit wenigen Kostümwechseln einen steten Fluss der sich durchdringenden Handlungsebenen. DER TAGESSPIEGEL, Ulrich Pollmann, 10.11.08 Lovestory – mysterious Kay Kuntzes intensive Regie betont zunächst die bedrängenden Näherungsversuche des „Mannes“, der die „Frau“ durch das Fenster beobachtet, sie mit Briefen anmacht, auf ihr Liebes-Erlebnis auf Lerna anspielt; während die „Frau“ ein Buch über die mythischen Mysterien liest und immer mehr in die brutalen Träume des Mythos versinkt. Diese fantastische Komplexität von antiker Erotik und konkret-bedrängender Leidenschaft entwickelt sich zu einer konsequent-verzweifelten Emanzipation der „Frau“. Das Publikum verfolgt die sich langsam aufbauende Beziehungsgeschichte mit gespannter Aufmerksamkeit - Viel Applaus! OPERNNETZ, frs, 18.11.08 The Io Passion Während in der Uraufführung vor vier Jahren im britischen Aldeburgh der 90-Minüter wie entrückt und kühl wie ein Magritte-Bild wirkte, rückt er in Kay Kuntzes Inszenierung - auf cinemaskope-weit aufgerissener Bühne - nah und geradezu prächtig an uns heran. In der doppelten Optik, bei der man alle Handlungen zwei Mal sieht (einmal aus dem Zimmerinneren und parallel von außen durch ein Fenster), wirkt das Stück virtuos, plastisch und alltäglich, als wär's eines von Botho Strauss. Auch die vorzüglichen Darsteller haben sich sichtlich vom Mythos anstecken lassen. Anhaltender Jubel! Kein Zweifel, dass die Berliner Kammeroper (...) sogar die Uraufführung übertrumpft. KULTURRADIO, Kai Luehrs-Kaiser, 10.11.08 ![]()
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