Geliebtes Klärchen

Musiktheater von Kay Kuntze
Texte und Musik: Clara Schumann, Robert Schumann, Friedrich Wieck

ML/Klavier: Philip Mayers, I + B: Kay Kuntze, K: Andrea Hoppen
Premiere: 24. April 2003, Berliner Kammeroper im Hebbel-Theater

Fotos

Martina Rüping, Ulrike Bartsch, Victor Lederer Geliebtes Klärchen
Welch zugleich in seinen Mitteln schlichter und in seiner szenisch-musikalischen Ausdruckskraft beklemmender Abend ist Kay Kuntze da gelungen. (...) Aber Kuntze lässt die Haltungen und Konflikte nur eben andeuten, vertraut der Musik und einer ebenso einsichtigen wie unangestrengten Symbolsprache. (...) Szenische Zeichen sind das für soziale und psychische Befindlichkeiten, die in den Liedern und Klaviersätzen Claras und Roberts ihren sprachmächtigen Ausdruck finden.
Der Regisseur beherrscht sein Metier, stellt es aber nicht eitel aus. So entrückt uns der "Fall Clara" scheint, so nah wird er uns hier gebracht. Dass im Konzertsaal erprobte Kompositionen zumindest auch von gelebtem Leben zeugen, die Berliner Kammeroper lässt uns das im Hebbel-Theater erleben.
SFB/ORB: "Galerie des Theaters", 27.4.2003
 
Martina Rüping Lieder pflastern ihren Weg
Claras Weg ist gepflastert mit Liedern - eigenen und immer mehr mit denen von Robert. Befreiend, dass Kay Kuntze von der Berliner Kammeroper über einen ruhigen Blick zwischen die Zeilen verfügt: Gesungenes wie Gesprochenes bedächtig beim Wort nehmend, träufelt er etwas von jenem langsam wirkenden Gift, das in dem großartig scheiternden Entwurf einer romantischen Künstlerliebe schlummert.
DER TAGESSPIEGEL: Tagestipp, 27.4.2003
 
Drei Premieren in drei Tagen
(...) Vorzüglich dagegen die Inszenierung, die Kay Kuntze in eigener, behaglicher, wie unheimlichen Bühne im Hebbel-Theater für sein "Geliebtes Klärchen" ausrichtet. (...) Höchst konfliktreich als Tochter eines ehrgeizigen Vaters, der ihr sogar bis zum 18 Lebensjahr das Tagebuch führt und sie keinesfalls an seinen Schüler Robert Schumann verlieren will. Die Kämpfe um ein Leben mit ihm werden für die vielgerühmte Pianistin auch zum Kampf um ein Eigenleben als Künstlerin, Frau und Mutter.
MÄRKISCHE ODERZEITUNG, 28.4.2003
 
Ensemble All' mein Begehren, all' mein Verlangen
Nur wer klar macht, dass es bei jeder theatralischen Entäußerung um Leben und Tod geht, hat für den Regisseur Peter Konwitschny das Recht, auf einer Bühne zu stehen. Das Aufbegehren gegen jene, die Wertvorstellungen als Gedankenschrott deklarieren, treibt den Festivalmacher Gerard Mortier an: Weil er hofft, Sinnsuchenden durch Kunst eine Hilfestellung beim Sensibilisieren der Wahrnehmung geben zu können, initiierte er bei seiner ersten Ruhrtriennale einen Zyklus inszenierter Lieder. In diese Richtung geht auch Kay Kuntze mit "Geliebtes Klärchen". Es geht um die größte Liebe der Musikgeschichte, um Clara und Robert Schumann. Die Versuchsanordnung ist äußerst streng, allein Selbstzeugnisse der handelnden Personen und die Musik müssen ausreichen, um das komplexe Beziehungsgeflecht anzudeuten. Diese Pianissimo-Dramaturgie passt aber zu den ausgewählten Kompositionen ebenso wie zur biedermeierlichen Scherenschnitt-Ästhetik der Ausstattung. Äußerst sparsam arbeitet Kuntze mit Symbolen, lässt seine Akteure immer nach innen spielen und versetzt so den Zuschauer in einen emotionalen Schwebezustand, ermöglicht ihm, sich wieder für die sanfte Poesie der romantischen Kunstlieder zu öffnen.
DER TAGESSPIEGEL, 29.4.2003
 
Victor Lederer, Burkhard von Puttkamer Ein Leben zwischen Kindheit und Klavier
Eine psychologisch höchst interessante Aufbereitung des Lebens der Clara Wieck-Schumann ist Kay Kuntzes Opern-Collage "Geliebtes Klärchen" (...) So entsteht ein spannendes Bild eines Biedermeier-Frauenschicksals zwischen Klavier, Küche und Kindbett. (...) Der Genuss des kurzen Abends liegt hauptsächlich in der textlichen Zusammenstellung und in den phantastischen Bildern, die Regisseur Kuntze zur Illustration dieses Frauenlebens findet.
BERLINER ZEITUNG, 26.4.2003
 

 
Gastspiel bei den Idar-Obersteiner Schlosstagen 18./19. Juli 2003
 
Konzertsaal oder Küche?
Martina Rüping, Ulrike Bartsch, Victor Lederer Kay Kuntzes Inszenierung kam völlig ohne Schnörkel aus. Seine Inszenierung begeisterte am Wochenende die Besucher. (...) "Meine Clara wird eine gute Klavierspielerin werden." Gebetsmühlenartig wiederholt Friedrich Wieck (hervorragend dargestellt von Victor Lederer) diesen Satz immer und immer wieder. (...) Wie im Zeitraffer vergehen die Tage, während der Vater kontinuierlich an ihrer Karriere bastelt. (...) Die Texte vion Heinrich Heine oder Joseph von Eichendorff gehen angesichts der Dramen, die sich auf der Bühne abspielen, doppelt so tief unter die Haut... (...)
Die Mischung aus Theater und Gesangseinlagen - hinreißend dargeboten -, die Gratwanderung zwischen Historie und moderner Inszenierung ist Kay Kuntze sehr gut gelungen. Die Personen haben einen sehr stark ausgeprägten Charakter, wirken aber nicht überspitzt.
NAHE-ZEITUNG, 21.7.03