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Lucia di Lammermoor
Dramma tragico in 3 Akten von Gaetano Donizetti Bühne und Kostüme: Duncan Hayler Dramaturgie: Regine Palmei Enrico Asthon: Robin Adams | Lucia: Silvia Dalla Benetta | Edgardo di Ravenswood: Hoyoon Chung / Giacomo Patti | Lord Arturo Bucklaw: Giacomo Patti | Raimondo Bidebent: Carlos Esquivel | Alisa: Hélène Couture Chor des Stadttheaters Bern Berner Symphonieorchester Premiere: 28.1.2012, Stadtheater Bern weitere Vorstellungen: 4.2 | 12.2 | 18.2. | 22.2. | 26.2. | 4.3. | 10.3. | 13.3. | 27.3. | 5.4. | 15.4. | 28.4. | 4.5. | 13.5. | 16.5.2012 video ![]() |
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Schauerromantik
Gemeinsam mit Duncan Hayler (Bühnenbild und Kostüme) hat der Regisseur Kay Kuntze den romantischen,
schauerlich übersteigerten Kern bei Donizetti freigelegt. Kalt tropft Wasser vom Theaterhimmel wie in
einer halbzerstörten Kaverne, das eindrückliche, rostig metallene Bühnenbild – mit viel Theatermaschinerie –
verlegt das Geschehen gleichsam in ein postatomares Zeitalter, die Kostüme zitieren die gruftige Fantasy-Bildersprache.
Da sind sie vielleicht heute zu finden, die Reste der Phantastik der frühen Romantik, im Fantasy-Kino.
Und als Kino inszeniert Kuntze das Geschehen, handwerklich perfekt, einfallsreich. Dafür scheut er keinen Aufwand.
Kuntze setzt voll auf den Wahnsinn und mobilisiert dafür einiges; so eine ganze Schar gewaltsam ins Jenseits
beförderter Ahnen, welche sich mit Lucia während der Wahnsinns-Szene wie an Odins Tafel zum mit dicken Spinnweben
überzogenen Hochzeitsmahl vereinen.
NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, Alfred Zimmerlin, 30.1.12Unendlich viele Einfälle hat Kuntze, um einen mit der Mär zu packen – und er vergisst nicht die Musik, lässt ihr trotz sich steigernder optischer Üppigkeit Raum, um Wirkung zu entfalten. Geradezu tollkühn reizt er die Generalpausen bis an die äusserste Grenze aus, um Stille wirken zu lassen. Bemerkenswert die Idee, die Soloflötistin (Sakura Kindynis) in der Wahnsinnsarie auf die Bühne zu holen, um sozusagen als Lucias Bräutigam zu agieren. Mitunter übersetzt Kuntze den Text auch ganz linear in Bilder, aber zumeist hilft ihm das, ein reiches Assoziationsnetz zu spannen. Eben: virtuos gemachtes Fantasy-Kino, bei welchem man sich ausgezeichnet unterhält und von dem man sich auch bewegen lassen kann. ... |
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Abgründiges Seelentheater in Lammermoor
Das Stadttheater Bern zeigt Donizettis «Lucia di Lammermoor» in einer packenden Inszenierung,
die von der Macht innerer Bilder lebt.
Kunstvolle Finsternis: Kay Kuntze lässt in seiner Inszenierung die Protagonisten von Donizettis Drama
über weite Strecken im Regen stehen. Oder sind es Tränen, die in die kunstvolle Finsternis hinuntertropfen?
So oder so: Mit (Pseudo-)Realismus hat das alles nichts zu tun. Kuntze und Bühnenbildner Duncan Hayler setzen
auf die Macht expressiver Bilder, die von den Innenwelten der Figuren erzählen, vorab vom Kosmos der
zwangsverheirateten Heldin, die zwischen die Fronten eines patriarchalischen Machtkampfs gerät und zur
Gattenmörderin wird.
An Seilen hängen teils steinige, teils stählerne Konstruktionen, die stets von neuem in Bewegung geraten
und eine flüssige Inszenierung gewährleisten.
Kuntze nutzt die Elemente nicht nur für eine inspirierte Personenregie.
Er schöpft daraus eindrückliche Szenen, vor allem im dritten Akt, der konsequent aus Lucias Perspektive erzählt wird.
Wie die Mörderin da kindlich-verschmitzt aus dem «Grab gewordenen Brautgemach» hervorlugt,
wie sie den Vorhang des Himmelbetts niederreisst und den Blick auf ein Gemetzel freigibt:
Das bringt nicht nur die Hochzeitsgäste (den engagierten Chor) zum Schaudern.
BERNER ZEITUNG, Oliver Meier, 31.1.12Die Bildsprache zwischen Beengung und Befreiung, zwischen aggressiver Härte und Verletzlichkeit überzeugt auch deshalb, weil sie sich direkt aus der Metaphorik des Librettos speist. Selbst die Anspielung an da Vincis «Abendmahl» in der «Wahnsinnsszene» wirkt nicht aufgesetzt. Erzählt wird weniger eine triste Liebesstory als eine tragische Geschwister- und Familiengeschichte, die mit dem Begräbnis von Lucias Mutter beginnt und im Begräbnis der Mutter gewordenen Tochter Lucia mündet. Beherzter Beifall! |