Nocturne aus dem Hause Wieck-Schumann

Eine Collage aus Texten und Musik von
Clara Wieck-Schumann, Robert Schumann und Friedrich Wieck

ML: Kurt Böhm, I+B+K: Kay Kuntze
Premiere: 17.12.1995, Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, Opernhaus
 
Ein Frauenschicksal - Brilliantes "Nocturne" am Kieler Opernhaus
Zu einem Glanzlicht wurde das "Nocturne" am Kieler Opernhaus: Regisseur Kay Kuntze beschäftigt sich mit dem Lebensweg von Clara Wieck-Schumann. (...) Für ihre Lebensgeschichte findet die Inszenierung überzeugende Bilder. Da zieht der väterliche Despot Friedrich Wieck der kleinen Clara ein paar Handschuhe über, deren Finger Klaviertasten zeigen: eine menschliche Musikmaschine soll sie sein, mehr nicht. Kein Wunder, dass sie sich in die Arme des Schwarmgeistes Robert Schumann flüchtet und dabei alle eigenen künstlerischen Ambitionen aufgibt, um sich brav Jahr für Jahr ein Kind von ihm machen zu lassen. Schmerzhaft deutlich wird, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen ist, wenn Robert seiner Clara die Handschuhfinger abschneidet und wegwirft: ein Bild gedankenloser und doch absichtsvoller Grausamkeit. Kay Kuntze lässt seine Protagonisten die aus Briefen und dem Eheprozessakten überlieferten Worte sprechen, lässt sie Lieder wie Schumanns Mondnacht oder Clara Wiecks Veilchen singen. Gerade die Konzentration auf einen Themenstrang gestattet es dem Regisseur, ein umrißscharfes Bild weiblicher Emanzipationsbestrebungen und Opferbereitschaft zu zeichnen. Dass das nicht mit den biederen Mitteln der realistischen sozialen Anklage geschieht, sondern als ebenso bunter wie schlüssiger Reigen aus Bildern, Texten und Klängen inszeniert wird, macht die Produktion zum spannenden Bühnenstück.
KIELER NACHRICHTEN, 19.12.1995