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Nocturne aus dem Hause Wieck-Schumann
Eine Collage aus Texten und Musik von Clara Wieck-Schumann, Robert Schumann und Friedrich Wieck ML: Kurt Böhm, I+B+K: Kay Kuntze |
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Ein Frauenschicksal - Brilliantes "Nocturne" am Kieler Opernhaus
Zu einem Glanzlicht wurde das "Nocturne" am Kieler Opernhaus: Regisseur Kay Kuntze
beschäftigt sich mit dem Lebensweg von Clara Wieck-Schumann. (...)
Für ihre Lebensgeschichte findet die Inszenierung überzeugende
Bilder. Da zieht der väterliche Despot Friedrich Wieck der kleinen
Clara ein paar Handschuhe über, deren Finger Klaviertasten zeigen:
eine menschliche Musikmaschine soll sie sein, mehr nicht. Kein Wunder, dass
sie sich in die Arme des Schwarmgeistes Robert Schumann flüchtet und
dabei alle eigenen künstlerischen Ambitionen aufgibt, um sich brav Jahr
für Jahr ein Kind von ihm machen zu lassen. Schmerzhaft deutlich wird, dass
sie vom Regen in die Traufe gekommen ist, wenn Robert seiner Clara die Handschuhfinger
abschneidet und wegwirft: ein Bild gedankenloser und doch absichtsvoller Grausamkeit.
Kay Kuntze lässt seine Protagonisten die aus Briefen und dem Eheprozessakten
überlieferten Worte sprechen, lässt sie Lieder wie Schumanns Mondnacht
oder Clara Wiecks Veilchen singen. Gerade die Konzentration auf einen Themenstrang
gestattet es dem Regisseur, ein umrißscharfes Bild weiblicher Emanzipationsbestrebungen
und Opferbereitschaft zu zeichnen. Dass das nicht mit den biederen Mitteln der realistischen
sozialen Anklage geschieht, sondern als ebenso bunter wie schlüssiger Reigen aus
Bildern, Texten und Klängen inszeniert wird, macht die Produktion zum spannenden
Bühnenstück.
KIELER NACHRICHTEN, 19.12.1995
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