Il Ritorno D'Ulisse in Patria

drama in musica di Claudio Monteverdi

ML: Jan Michael Horstmann, I: Kay Kuntze, B+K: Dieter Ruhland
Premiere: 16.2.2008, Mittelsächsisches Theater Freiberg

Fotos

 
Happy End mit Götterdämmerung
Und das Experiment gelingt. Denn Regisseur Kay Kuntze fährt in drei farbenfrohen und aktionsreichen Stunden so ziemlich alles auf, was barocke Oper braucht. Das knappe, assoziationsreiche Bühnenbild von Heinz-Dieter Ruhland mit seinem wunderschönen Theater-Guckkasten unterstreicht dies noch. In dieser Inszenierung steigen die Götter in Menschengestalt auf die Erde und mischen sich unter die Freier ... Das ist alles sehr spannend und mitunter auch lustig. Wenn etwa gut zwei Duzend geklonte Elton Johns an Penelopes Hof ein Pop-Art-Happening feiern und dies nicht einmal der Musik widerspricht ... Überhaupt überrascht die künstlerische Freiheit, mit der Horstmann und Kuntze "Odysseus" dem kleinen Ensemble, das hier vollständig auf der Bühne steht, auf den Leib schneidert.
LEIPZIGER VOLKSZEITUNG, 11.03.08
 
Der Mensch denkt - Gott lenkt. Mit ULISSE funkelt und glänzt das Mittelsächsische Theater
(...) Kay Kuntze inszenierte in sinnlicher Pracht für ein großes Ensemble, ... das sind zweieinhalbstunden sprühendes, musikalisches Feuerwerk vor dem Hintergrund von Götter- und Menschenwillen. Gespielt wird barfuß. Schon der Prolog provoziert: Ein Menschlein wird gemartert. Zeit, Schicksal und Liebe malträtieren ihn sehr böse. Die allegorische Vorwegnahme dessen was kommt, ist nichts für schwache Nerven, denn der Knabe wird gefoltert. Zum Glück flitzt er ganz er ganz am Ende wieder über die Bühne: Der Mensch hat gesiegt. Zwei Ebenen gehen simultan ineinander über: Der Mensch denkt - Gott lenkt ... Regisseur Kay Kuntze entfaltet das pralle Leben auf echtem Sand mit viel Licht und Farbe. Das Publikum feierte das frische, herzhafte Spiel enthusiasitsch.
FREIE PRESSE, 18.02.08
 
ULISSE am Mittelsächsischen Theater
… und das gelingt auch durch die poetischen und mitunter recht ironischen Bilder, die Kay Kuntze auf die Bühne zaubert … Monteverdis Musik bietet viele berückende Momente, verlangt aber vom Zuschauer, dass er sich auf das Besondere der frühen Barockoper einlässt, die noch keine Arien du Rezitative kennt. Den Zuschauer dabei nicht allein zu lassen, dass sieht Kay Kuntze dabei als erste Aufgabe des Regisseurs. Man merkt den Sängern den Spass an dieser alten Musik an.
MDR Figaro, 17.02.08
 
Mutig, abwechsungsreich, gelungen
... haben die Geschichte klar, mit Mut zu Theatralik und wirkungsvollem Konzept genau auf das Mittelsächsische Theater zugeschnitten. Der einheitliche Grundbau des Bühnenbildes öffnet Türen und Möglichkeiten, ordnet das Geschehen ohne es zu bedrängen, schafft Räume fürs Spiel und bleibt dabei selber spielerisch. Das gesamte Ensemble ist mit großem Engagement bei der Sache. Jeder findet einen eigenen Zugang zu seiner Rolle. Ausdrucksvolles Spiel steht neben Stilisierung, Masken, kräftig typisierende Kostüme und Licht unterstützen die Szene. Ja, diese Inszenierung ist für die gemacht, die sie sehen und sie arbeitet mit den Möglichkeiten die da sind.
Kay Kuntze gelingt es, eine spannende Geschichte zu erzählen. Von der Menschlichen Zerbrechlichkeit, herumgeschubst von den Göttern, Von der Heimkehr des Odysseus, der mit den Freiern auch die Götter verjagt. Und davon, wie die wiedergefundene Liebe zwischen Odysseus und seiner treuen Penelope der anrührend gespielten Menschlichen Zerbrechlichkeit hilft sich aufzurichten. Klare Spielvorgaben, genau inszenierte Vorgänge helfen den Darstellern, ihren Figuren Profil zu geben. Gut sind alle, ob genannt oder ungenannt, weil sie für ihr Publikum überzeugendes Theater machen. Großer Applaus!
SÄCHSISCHE ZEITUNG, 10.03.08
 
Barockes Spektakel findet beim Publkum ungeteilte Begeisterung
Gleich in dreifacher Hinsicht erlebte das Theater-Publikum am Sonnabend eine außergewöhnliche Premiere. Und nimmt man den Applaus als Gradmesser, so darf das Experiment als gelungen gelten. Es ist die Farbenpracht der Inszenierung, die den Zuschauer in den Bann zieht ... Kuntze wäre kein Bühnenprofi, wenn er dafür nicht einfache Mittel fände: Da reichen einfache Wände, die unterschiedlich beleuchtet werden, um Bilder von Palästen und Wiesen, aber auch von Gefängnis und unwirtlicher Küste hervorzurufen.
DÖBELNER ALLGEMEINE ZEITUNG, 11.03.08
 
Mit Monteverdi am Strand von Ithaka
Welch schönes Bild! Ein antikes Theater, barocke Assoziationen samt kleiner Guckkastenbühne für die Illusionen der Mereswogen, Landschaften und Göttermacht. Auf Heinz-Dieter Ruhlands Bühne ist Platz für die Götter oben, die Menschen unten, und zusammen auch. Wir sind am Stand von Ithaka. Daher steht das Theater im Sand. Auf Sand gebaut ist dieser Abend ganz und gar nicht ... Das Ganze als Allegorie auf die Zerbrechlichleit des menschlichen Lebens, der Unvorhersehbarkeit des Schicksals, mit ironischen Seitenhieben auf Götter, die sehr menschlich sind, und Menschen, die sich mitunter sehr göttlich dünken. Also geht es los mit kräftigen Jahrmarktsgestalten. Die zerfledderte Zeit, ein doppelgesichtiger Schicksalsengel und Amor als Clownsengel. Da stehen die Chancen für die "menschliche Zerbrechlichkeit" nicht gut ... Susanne Engelhardt hat ihren großen Auftritt in einer Einlage, wenn sie in leicht jazzigem Musicalsound das "Lamento della Ninfa" aus Monteverdis 8. Madrigalbuch singt. Ein Moment großer Konzentration. Überraschung durch Authentizität ... Klaus Kühl, ein Schmarotzer, aufgeblasener Fresser im Narrenkostüm kassiert etliche Lacher, wenn er entdeckt, dass die gebratenen Würste direkt im Schweinebauch für ihn wachsen ... Aber Ende gut, alles gut. Die menschliche Zerbrechlichkeit erhebt sich und probiert den aufrechten Gang.
DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN, 19.02.08