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Liebster Vater,
Oper von Stanley Walden nach Franz Kafkas Brief an den Vater ML: Brynmor Jones, I: Kay Kuntze, B: Stephan Besson, K: Andrea Hoppen Fotos |
Liebster Vater
Kay Kuntze hat inszeniert. Knapp und präzise auf weitgehend leerer Doppelbühne:
unten ein mit Müll und viel Papier bedeckter Keller, in dem der Dichter sich verkriecht
- oben der nüchtern kahle Raum, indem der - auch körperlich - massive Vater
dominiert, umhuscht von grauen Frauengestalten. Immer wieder erfindet der Regisseur Gesten
und Haltungen, mit denen die Darsteller ihre gegenseitige Abhängigkeit und Unterdrückung
plastisch und bildhaft ausdrücken. (...) Natürlich neigen Opern nach literarischen
Texten immer leicht zur Banalisierung ihrer Vorlage. Auch "Liebster Vater" entgeht dieser
Gefahr nicht ganz - aber die schöne und kluge Inszenierung gleicht da viel aus. Großer
Beifall!
SFB 3: GALERIE DES THEATERS, 22.06.97
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Der kleine und der große Franz
(...) Die Vergangenheit bestimmt die Gegenwart des Dichters Kafka. Dafür findet
der Regisseur Kay Kuntze eindringliche, sprechende Bilder. Etwa, wenn der Vater (beeindruckend:
Michael Tews) den Sohn psychisch wieder einmal niederkartätscht und dabei beide
das Kind Franz und den Erwachsenen Franz, im Würgegriff zur Rechten und zur Linken
an seinen Körper drückt. Wie schwerer Balast drückt dieser autoritäre
, emotionsunfähige Vater auf das Leben des Sohnes. Auch dafür gibt es ein
sinnfälliges Bild: Der Sohn trägt schwankend unter der Last seinen Vater, der
auf einer Plattform rhythmisch marschiert.
DIE WELT, 23.06.97
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Liebster Vater
(...) Starke Momente ergaben sich auch, wenn der Vater (das war fast nicht auszuhalten) auf die
auf allen Vieren befindliche Mutter stieg, um auf die Seitenrampe der Bühne zu gelangen.
Oder andere Elemente: Er sprang immer mit beiden Beiden auf, bevor er anfing zu singen, man zuckte
immer förmlich zusammen. Wer eine komplexe Vaterbeziehung hatte, der hat wahrscheinlich fast
Schwierigkeiten, in dieses Stück hineinzugehen, das einem ganz schön
an die Nieren gehen kann aber das ist natürlich ein Erfolgsausweis. Kay Kuntzes Inszenierung
hat sicher sehr viel zum Erfolg dieses Stückes beigetragen.
OSTDEUTSCHER RUNDFUNK, 21.06.97
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